Montag, 28. Januar 2008

“The times they are a-changin'” Und: Draufstellen!

Bob Dylan hatte Recht. – Obwohl er mich nicht kannte, als er das oben zitierte Lied schrieb.
Und ich beziehe mich auch lediglich auf den Titel, nicht den restlichen Inhalt (weil ich den grade nicht im Kopf habe…- Mut zur Lücke!).
Ich habe sie hinter mir, die erst Klausur dieses Semesters. Die erste von Vieren. Und zugleich die, vor der ich mich am meisten gefürchtet habe. Mittelaltergeschichte.
Das Mittelalter.
Eine Zeit, in der alle Herrscher entweder Karl, Friedrich, Heinrich oder Ludwig hießen und als es meistens Zoff mit dem Papst gab, wenn nicht grade die muslimische Expansion oder die Sachsen dazwischen kamen…
Was nun aber völlig atypisch für mich ist: Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es gereicht haben könnte. – Jaa, dieses Wort „vorsichtig“ und dann der Konjunktiv…ich gebe zu, es wirkt nicht sonderlich überzeugend, was ich hier als Optimismus bezeichne; aber immerhin hatte ich nach Verlassen des Audimax keinen Schreikrampf, Heulanfall oder auch nur den Hauch einer Todessehnsucht (was man allerdings von der Zeit vor der Klausur nicht sagen kann…).
Ich sitze hier, schreibe und bin ganz Herr meiner Sinne.
Das ist schon mal ein Fortschritt im Vergleich zu früheren Prüfungen, nach denen ich erst mal losgezogen bin, um mir Nervennahrung zu besorgen; ein sinnloses Unterfangen, denn das sollte man eigentlich schon dann erledigen, wenn man im Begriff ist, die Nerven zu verlieren, nicht wenn alles vorbei ist und es gar keinen Grund mehr gibt, im Geiste Achterbahn zu fahren. Aber na ja…
Soweit wäre der Bezug zu meiner heutigen Überschrift hergestellt.
Was sich nicht verändert hat, war im Grunde schon vorher ersichtlich: ich war wieder sehr schnell. Eine knappe dreiviertel Stunde saß ich auf meinem Klappsitz. Dann stand ich auf, ging relativ locker (auch eine Veränderung: ich war kaum aufgeregt) zum von mir so gefürchteten Dozenten, Professor H. nach vorne, reichte ihm meine Klausur, sah ihm noch mal halb lächelnd in die Augen, worauf er zurücklächelte, legte den Umschlag auf den dafür vorgesehenen Stapel und verließ den Saal. – Die zur Verfügung stehende Zeit waren 90 Minuten.
Kurz nach drei war es also geschafft. Super. Am Freitag geht es mit Französisch weiter.

Eine mögliche Erklärung für meine Gefasstheit wäre in dem zu finden, was sich am Samstagabend in der Großstadt Erlangen, ziemlich im Stadtzentrum, abgespielt hat.
Ein junges Paar bewegte sich (im Gegensatz zu einigen anderen anwesenden Pärchen) rhythmisch zur stark verlangsamten Versionen bekannter Pop-Schlager über das (wie der weibliche Teil des Paares persönlich erfahren sollte) glatte Tanzparkett einer ortsansässigen Tanzschule.
Ich bekenne mich schuldig: Ich war der weibliche Part.
Und meinen großen Auftritt hatte ich bereits am Anfang der ersten Tanzstunde, als wir nach Geschlechtern getrennt in zwei Reihen gegenüberstehend den Blues übten. Da der Saal relativ klein und schließlich irgendwann zu Ende war, sollten die dort angekommenen Eleven (nicht zu verwechseln mit Elfen, denn davon war denkbar wenig zu spüren) an das andere Ende der Tanzfläche zurücklaufen und von neuem beginnen.
Als ich mich also auf den Weg machte und beinahe mein Ziel erreicht hatte, streute ich, zur Erheiterung einiger anderer und um mein Gespür für Grazie zu verdeutlichen, einen ansehnlichen Ausfallschritt ein, der mich beinahe in die altbekannte Spagat-Stellung gebracht hätte.
Diesen eye-catcher, der für mich beinahe zum neck-breaker wurde, hatte ich meinen Schuhen zu verdanken, deren Absätze leider nicht aus Gummi waren und daher wunderbar gleitfähig waren.
Eine mögliche Deutung dieses Ereignisses wäre natürlich, dass mir da jemand (wer auch immer) zeigen wollte, dass ich schon längst wieder auf die Bühne gehörte, um (dann mit Vorsatz) andere zum Lachen zu bringen.

Der Rest der Tanzstunde verlief jedoch ohne Komplikationen, so dass ich nun in der Lage bin, den Blues, den langsamen Walzer und den Discofox zu tanzen, ohne dabei als möglicher Bewegungslegastheniker aufzufallen.
Das Tanzen an sich, hat mich nach anfänglicher Anspannung dann doch so locker gemacht, dass ich nur noch den Moment an sich wahrgenommen habe, nicht mehr das, was um mich herum geschah. Die Musik, die Bewegungen und der Halt, den mir mein Tanzpartner gab…zu geben versuchte…das mit dem führen lassen muss ich noch üben…jedenfalls gab mir die gesamte Atmosphäre die Gelegenheit, einfach abzuschalten. Loszulassen.
Um ehrlich zu sein, ist es ja schon länger mein Wunsch, einfach mal ne Nummer zu machen, die nur aus Bewegung (mehr als nur Pantomime, eher schon Tanz) besteht…Und nun kann ich also Samstag abends zumindest ein wenig in diese Richtung gehen. – Traumhaft!

Draufstellen war übrigens der freundliche aber doch bestimmte Hinweis der Kursleiterin, sich beim Walzerschritt tatsächlich auch auf den ganzen Fuß (wohlgemerkt den Eigenen!) zu stellen, da man sonst „schrittweise“ durcheinander kommt. – Bei einigen war es sicherlich die Aufforderung, dem Tanzpartner ebenfalls schrittweise näher zu kommen und zu testen, ob Schuhe nun Stahlkappen haben oder nicht.

Nun ja…

Freitag, 25. Januar 2008

Bin ich eine Lilu? Und: Schrei!

Erst mal möchte ich mich für den letzten Beitrag rechtfertigen. Als ich ihn mir gerade noch mal durchgelesen habe, dachte ich mir: Meine Güte ist das Abgehoben! – Klingt ja fast so, als hätte ich ein Esoterik-Seminar besucht und mit 1,0 bestanden…
Aber wieder einmal zählen die inneren Werte und was ich da geschrieben habe, meine ich auch so, was die Aussage betrifft.

Jetzt aber zu dem, was ich eigentlich sagen wollte.
Gibt es soziale Dummheit?
Ich meine, kann jemand vom IQ her so niedrig liegen, dass er nicht mal fähig ist, mit anderen in Kontakt zu treten und den Kontakt auch zu halten?
Oder anders gefragt: Gibt es zu viel soziale Intelligenz? – Kann jemand viel zu intelligent sein, um ein soziales Netzwerk zu pflegen?
Beispiel:
Angenommen jemand hat ein unglaubliches Gespür was andere angeht. Er erkennt sofort, wie andere ticken und sieht, was alles um ihn herum verkehrt läuft.
Wie soll ein solcher Mensch einigermaßen ordentlich leben können?
Das ist doch eine furchtbare Situation, wenn ich merke, dass ich von Missverständnissen, Beleidigungen, Verletzungen und ähnlichen Dingen umgeben bin.
Und wird man da nicht zu einem Misanthropen?
Schützt einen da nicht die vermeintliche soziale Dummheit vor Dingen, die man eigentlich besser nicht sehen sollte, weil man sonst daran zugrunde ginge?
Ich denke dabei an den Film „Das fünfte Element“. Als Lilu sich die vielen Filme über die Welt und die darauf lebenden Menschen ansieht und irgendwann an die Stelle kommt, an der Krieg, Hass, Elend und all die anderen schlechten Dinge gezeigt werden, bricht sie beinahe zusammen. – Sind Misanthropen in ihrem Innersten lauter Lilus? Haben sie das gesehen, was die anderen Dank ihres großen blinden Flecks (soz. Dummheit) nicht gesehen haben?
Ist es vermessen, zu behaupten, dass ich mir manchmal wie eine Lilu vorkomme?

„Schra-hei bis du du selbst bist! Schra-hei!...“
So sang vor nicht all zu langer Zeit die Gruppe Tokio Hotel in ihrem Lied…na? NA? - „Schrei“, genau.
Nun bin ich beileibe kein Anhänger jener Bewegung, die den Polizisten und Sicherheitsleuten, die bei diversen Konzerten Dienst schieben und zusammengebrochene Kinder in Sauerstoffzelte tragen mussten, den kalten Schweiß auf die Stirn trieben, weil sie sich das eine oder andere Organ herausbrüllten.
Aber gestern kam mir, man könnte sagen schlagartig, dieses Lied wieder in den Sinn.
Und zwar genau in dem Moment, da sich mein Knie mit der Kante des metallenen Rechner-Halters unterhalb des Tisches im Computerraum traf. – Mit Schwung.
Ja, Schmerzen sind eine wunderbare Angelegenheit, fragt mein Knie…
Ich musste mich schon sehr zusammenreißen, um den anderen anwesenden Studenten das Bild einer sich auf dem Boden wälzenden und vor Schmerz schreienden (!) Studentin zu ersparen.
Schweigend saß ich auf meinem Stuhl, starrte auf den Bildschirm vor mir und versuchte an alles zu denken, nur nicht an den stechenden, punktuellen Schmerz im rechten Knie. Jede Ablenkung war mir recht, also loggte ich mich ein, rief die erste Internetseite auf und – tja, dann wurde mir schwarz vor Augen.
Nicht sehr lange und von den anderen dürfte es niemand bemerkt haben, aber doch von einer solchen Dauer, dass mir bewusst wurde, dass ich kurz weggetreten war.
Ja ja, unser Körper kennt viele Wege, um uns vor unliebsamen Erlebnissen zu schützen. Die Ohnmacht oder das berühmte Schwarz, dass sich dann auf unserem körpereigenen Desktop breit macht, sind nur zwei davon.
Mittlerweile erfreue ich mich wieder bester Gesundheit, kann wieder gehen, ohne dabei an einen Achtzigjährigen mit Kriegsverletzung zu erinnern und meine Schmerzrezeptoren können sich wieder voll und ganz meinem Brandmal vom letzten Wochenende widmen. Mit einem heißen Rost aus einem heißen Ofen, auf dem sich auch noch heiße Pommes befinden, sollte man nicht so leichtfertig umgehen, wie ich es getan habe. – Aber zum Thema heißes Metall auf ungeschützter Haut sollte ich mich vielleicht doch eher mit Johann Lafer unterhalten. Wenngleich seine Verletzung doch wesentlich spektakulärer war, denn meine…
Nun, ich werde mich jetzt wieder der Mittelaltergeschichte widmen und Schadensbegrenzung betreiben. Denn anders kann man das, was ich im Augenblick tue nicht bezeichnen. Schließlich steht mehr oder weniger fest, dass ich eine Klausur (Montag), bei der die Durchfallquote (auch ein schönes Wort…) 75% beträgt, nicht bestehen werde.
A bientôt!

Montag, 21. Januar 2008

Pflanz Dir einen Kraftbaum

Es gibt sie, diese Momente, in denen man die Zeit anhalten, eine Weile weinen und dann weitermachen möchte.
Und ich bin mal so unverschämt zu behaupten, dass so ziemlich jeder dieses Gefühl kennt.
Etwas anders dürfte es sich mit der Befürchtung verhalten, nicht mehr zu wissen, ob man sehr bald komplett durchdreht und wirklich verrückt wird oder man sich in Stein verwandelt und einfach nichts mehr tut – gar nichts.
Solche Augenblicke machen das Leben nicht unbedingt angenehmer und wirken sich nur geringfügig positiv auf die Einstellung demselben gegenüber aus. (War das mal ein komplizierter Satz?)
Aber es gibt sie eben. Sie sind da. Mancher befindet sich nur ein Mal in dieser Situation, ein anderer häufiger. – Blöd ist nur, wenn sich dieses Gefühl, dieser Geisteszustand über mehrere Tage lang hält. Was tut man dagegen?
Ganz einfach: weitermachen!
Welche Möglichkeiten hat man denn sonst noch?
Nichts tun? – Davon wird es auch nicht besser, denn wenn man nichts tut, kann sich nichts verändern und gerade das ist das Leben doch: Veränderung.
Sich verabschieden, einfach gehen und die anderen mit der so schwerwiegenden W-Frage zurücklassen? – Das wäre das dümmste, was man wohl anstellen könnte. Schließlich hat man keine Ahnung, ob es nicht vielleicht am nächsten Tag schon besser gegangen wäre. Eventuell hätte man eine Stunde später Besuch von Menschen bekommen, die einen lieben. Oder man hätte schon in der nächsten Woche die große Liebe getroffen. (Für die, die es materieller mögen: Es könnte ja auch sein, dass man am Freitag geht und am Samstag ´nen Sechser im Lotto gehabt hätte…)
Und selbst wenn es schlechter werden sollte. Dann wird es das eben.
Ich bin zwar kein gläubiger Mensch, sozusagen Passivkatholikin, aber … irgendwo habe ich die Vorstellung, dass einem nur so viel „Schlechtes“ passiert, wie man (er)tragen kann. Was auch kommt, wie schlimm es auch sein mag: so lange es mir nicht das Leben nimmt, ist es nichts, was mich ernsthaft in Gefahr bringen könnte.
Klar, das ist keine Pauschalerklärung für sämtliche Schicksalsschläge, die einem Menschen widerfahren können, aber manchmal hilft einem der Gedanke daran, dass man ja immer noch lebt, doch weiter.
Ist doch kein schlechtes Motto: Weiterleben!
Ich komme wieder zu meinem Bild des Lebens als Wanderung zurück. Wenn eine sehr lange Bergtour macht, ist es einer der größten Fehler, stehen zu bleiben, wenn man glaubt, nicht mehr weitergehen zu können. Denn macht man in einer Situation wie dieser eine Pause, setzt sich vielleicht auch noch hin, dann wird der weitere Weg noch viel beschwerlicher.
Weitergehen ist die Devise. Nicht stehen bleiben, das gaukelt einem nur vor, dass man es schon geschafft hat. Und wenn man dann wieder von der Bank am Wegrand aufsteht, ist man nach wenigen Schritten enttäuscht, weil die Wadenkrämpfe sich zurückmelden und sich eigentlich doch nichts geändert hat.
Weitergehen heißt aber nicht, dass man rasen muss, wie ein Irrer. Man muss sein eigenes Tempo finden, den eigenen Rhythmus, beim Wandern, wie im Leben.
Und es heißt auch nicht, dass man sich auf das Ziel konzentriert und von der Landschaft um einen herum nichts mitbekommt. Im Gegenteil, wer sich beim Wandern seine Umgebung genau ansieht, der kommt nicht so schnell in Schwierigkeiten, wie derjenige, der die ganze Zeit nur auf den Boden vor sich oder das Gipfelkreuz kuckt und nicht merkt, dass er vielleicht einen verkehrten Weg eingeschlagen hat.
Wobei „verkehrt“ hier mit Vorsicht zu genießen ist. Denn in eine Sackgasse zu laufen ist kein Fehler. Es ist nicht falsch, sich einen Weg auszusuchen und dann zu merken, dass es hier nicht weitergeht.
Man sollte sich vielmehr mit dem Gedanken anfreunden, dass es lediglich ein Umweg ist. Aber auf einem Umweg können einem manchmal Dinge passieren, die für die persönliche Entwicklung viel wichtiger sind, als das, was auf dem geraden Weg zum Ziel auf einen gewartet hätte. – Diese Idee stammt übrigens nicht von mir, sondern von einer Frau, die ich auf einem solchen Umweg, den ich als Sackgasse gesehen habe, kennengelernt habe. – Was haben aber jetzt „Kraftbäume“ mit dem Leben als Wanderung und der Angst, verrückt zu werden, zu tun?
Das Gelenk zwischen diesen beiden bildet ein Wort, dass meist die Falschen zu viel und die Richtigen zu wenig haben: Selbstvertrauen.
Wenn man tief im Innersten daran glaubt, dass man letztlich ankommen wird, ist es egal, welchen Weg man geht. Man muss nur auf sich und seine Fähigkeiten vertrauen, sie sich immer wieder vor Augen halten und sagen: das kann ich, wie kann ich es nutzen, um dies oder das zu erreichen.
Aber das ist so eine Sache … Die eigenen Stärken als solche ansehen und nicht hinter den Schwächen verschwinden lassen, die man auch noch aufpumpt, damit man selbst auch wirklich übersieht, dass da noch mehr ist. Die, die ich eben noch als „Falsche“ bezeichnet habe, machen es umgekehrt. Und blöderweise sind gerade die es, die es dann weiterbringen. Sicher, es ist ein schmaler Grat, aber gerade Menschen, die immer wieder der Meinung sind, dass sie immer nur Fehler machen, in Sackgassen laufen oder eigentlich nicht hier her gehören, sind meistens die, die sich wirklich nicht verstecken sollten. Vielmehr sind sie es, die sich, fest auf beiden Beinen stehend vor die anderen stellen und zeigen sollten, was sie drauf haben. – Wer mich ein wenig kennt, sieht an dieser Textstelle, wie sehr Geschriebenes/Gedachtes und Getanes im Gegensatz stehen können… - Meiner Erfahrung nach sind jedoch die Sackgassen-Seher die tieferen Menschen. Und diese Ansicht wurde mir schon mehrfach bestätigt. Es steckt einfach mehr hinter dem, was sie sagen und tun. – Wenn sie denn mal den Mund aufmachen oder anpacken. Das fällt ihnen nämlich so schwer. Einfach mal machen, dann sehen wir schon, was dabei rauskommt. Sie sehen sich als kleine, nutzlose, schwache Pflänzchen, die sich auf ihr Dasein und ihre Fähigkeiten nichts einbilden sollten.
Was sie aber als Bild in sich tragen sollten, ist ein schöner großer Baum.
Ein Baum mit einem dicken Stamm, tiefen Wurzeln und starken Ästen, die eine wunderschöne Krone bilden. Jedem Sturm trotzend, Schutz bietend, Trost spendend, jedes Wetter überstehend, jahrein und jahraus. Und was das Wichtigste ist: lebendig!
Bis zum Schluss.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Hilferuf! - Dringend!

So.
Jetzt ist es soweit.
Ich brauche Hilfe!
Und zwar schnell.

Keine Panik, es ist nichts Schlimmes und niemand ist in Gefahr.
Ich bin nur gerade auf der Suche nach einem Musiktitel, der sich einfach nicht finden lässt!
Es geht um das Lied "Die Schönheitskönigin von Schneizlreuth" von Bally Prell. Ich brauche allerdings nicht die von ihr gesungene Version, sondern eine Instrumentalversion des Stückes. Laut Internet ist es eine bekannte Melodie von Paul Lincke (dem Typen, der die "Berliner Luft" geschrieben hat...). Problem: Ich weiß nicht welche!
Falls also jemand meiner Leser eine Idee hat: Bitte sofort melden!
Es eilt sehr!

Was gibt´s sonst? - Nun. Ich habe versucht meine Umgebung zu "enttrüben".
Sämtliche von mir zusammen gestellte Heul-CDs sind in den Müll geflogen oder von meinem mp3-Player gelöscht worden.
Und es hängt kein Bild mehr in meinem Zimmer, das irgendwie mit dem Tod in Verbindung steht. Kein einziges.
Es war ehrlich gesagt ein komisches Gefühl, weil speziell an den Liedern ziemlich viele Erinnerungen hingen, die beim Durchsehen alle noch mal hoch kamen. All die verzweifelten Gedanken an bestimmte Menschen, Situationen oder Zustände. Aber irgendwie tat es auch gut, das alles noch mal an sich vorbei ziehen zu lassen, dann jedoch ein für alle Mal zu packen und in die Tonne zu kloppen.
Frei nach dem Motto: Hau ´n Ei drüber! - Eine Redewendung, die ich gestern abend im Radio gehört habe und die mir sofort gefallen hat. Sie bedeutet so viel wie: Vorbei ist vorbei. Vergiss es. Gut is. Fangen wir was anderes, was neues an.
Es klang so durchweg positiv, dass ich mir dachte: den musst du dir merken!

Heute abend trifft sich mein Proseminar "Das römische Reich unter Claudius und Nero" mit unserem Dozenten, um "Quo vadis" zu kucken. Das wird auf jeden Fall super! Vor allem, weil ich jetzt Vieles weiß, was ich beim letzten Mal, als ich den Film gesehen habe, noch nicht wusste.
Jetzt werde ich allerdings erst mal weiter suchen, ob ich nicht doch noch nen Tipp im Web zwecks Titel finde.
So long

Dienstag, 15. Januar 2008

Sechs wichtige Fragen

Soll ich weiterhin Lehramt oder doch lieber Theaterwissenschaften studieren?
Soll ich die Hausarbeit in NDL dieses Semester sausen lassen und dafür in den nächsten beiden Semestern je drei Hausarbeiten schreiben (plus Klausuren, mündl. Prüfungen und ZP im 4. Semester)?
Hat es negative Folgen für mein Studium, wenn ich die Hausarbeit nicht schreibe, obwohl ich für das Seminar nicht angemeldet war? (z.B. Anrechnung eines nicht bestandenen Seminars oder Ähnliches...)
Wie wäre es mit einer Ausbildung? - Aber welche?
Bin ich wirklich für ein Studium geeignet?

Das sind die Dinge, die mich im Augenblick beschäftigen. - Und die mich nahezu in den Wahnsinn treiben!

Mittwoch, 9. Januar 2008

Von Notfallplänen und Elefanten auf Eis

Stufe 1: Die Gedanken daran einfach ignorieren, nicht hinhören. Es sind kranke, selbst zerstörerische Gedanken, die im Innersten nicht ernst gemeint sind.
Stufe 2: Die Person anrufen, mit der man einen Vertrag abgeschlossen hat, es nicht zu tun.
Stufe 3: Sich ablenken. Dinge tun, die man gerne tut und in denen man sich verlieren kann. In meinem Fall wäre das Singen, Gitarre spielen, Malen oder Aufräumen.
Stufe 4: Das Netzwerk. Ganz wichtig! Menschen, die meine Gedanken kennen und die mich in einer solchen Situation verstehen können. Die für den Extremfall auch die Befugnis haben, mich in die Ambulanz zu bringen.
Stufe 5: Wenn gar nichts mehr geht: Vertragspartner benachrichtigen und in die Klinik gehen.

So sieht der heute aufgestellte Notfallplan für Phasen, in denen man nicht mehr leben möchte und das Gefühl hat, dass man das auch nicht mehr kann, aus.

Ich schreibe das nicht, um den Lesern hier Angst zu machen. – Mir geht es im Moment aus mir unerfindlichen Gründen sehr gut und ich bin voller Tatendrang. – Ich nenne diese fünf Stufen als Orientierungshilfe für diejenigen unter euch, denen es ab und zu ähnlich geht. Vielleicht ist ja jemand dabei, der selbst manchmal in diese Lage kommt oder der einen anderen Menschen kennt, dem es so geht.
Wichtig ist vor allem der Vertrag, der diesem Plan zu Grunde liegt. Ich persönlich habe ihn mit einer qualifizierten Person abgeschlossen. Schriftlich und mit meiner Unterschrift.
Jetzt bin ich verpflichtet a) weiterzuleben und b) mich an die fünf Stufen zu halten, vor allem an Stufe 2 und 5! Die anderen können beliebig ersetzt werden, aber diese beiden sollten auf jeden Fall enthalten sein, wenn man sich für diese Art der Prävention entscheidet.
Man geht nicht nur mit dem anderen ein Bündnis ein, sondern auch mit sich selbst. Und das ist das Wichtigste!

Es gibt eine Rangliste der Traumata, die ein Mensch haben kann. Auf Platz zwei kommt bereits der freiwillige Tod eines nahestehenden Menschen. – Das sollte man sich vielleicht auch mal bewusst machen.
Man macht sich damit nicht beliebter als vorher. Im Gegenteil. Nach der Phase der Trauer folgt in den meisten Fällen eine Phase der Wut. Viele Menschen fallen selbst in eine Depression, weil sie eine wichtige Person auf diese Weise verloren haben. Und da man selbst ja weiß, wie extrem es sich anfühlt, in einem schwarzen Loch zu sitzen und nicht raus zu kommen, sollte man das nicht auch noch den Menschen antun, die einen lieben. Und solche Menschen gibt es im Leben jedes einzelnen!

Bei depressiven Menschen halten sich die Vorteile, die der Tod zu bieten scheint und die Vorzüge des Lebens im besten Fall gerade mal die Waage. Häufig überwiegt jedoch der Wunsch endlich seine Ruhe zu haben und der Gedanke, dass es im Leben nichts gibt, dass es wert macht, zu bleiben.
Meine Idee dazu lautet folgendermaßen:
Am Zustand des tot seins, kann ich nichts ändern. Tot ist tot. In diese Seite der Waagschale kann ich also kein weiteres Gewicht legen.
Das Leben, mein Leben, kann ich sehr wohl ändern. Ich kann nicht die ganze Welt verbessern, das kann niemand. Aber man kann die eigene Welt verbessern. Man kann in die Waagschale des Lebens so viele Dinge hinein legen, die schließlich dazu führen werden, dass das Leben das Übergewicht bekommt.
Tot sein ist passiv. Leben ist aktiv! Wir werden nicht von unserem Leben, der Zeit oder anderen „höheren“ Mächten gesteuert oder gar unter Druck gesetzt. Wir haben unser Leben in der Hand und sind Meister darüber, ob es ein gutes Leben ist. Und es ist nie zu spät aus seinem Leben etwas zu machen.
Ich selbst kann bestimmen, ob es mir gut geht oder nicht.
Wichtig ist vor allem, dass man mit leichten Dingen beginnt. Das Einfachste ist oft schon sehr wirksam.
Für mich ist es zum Beispiel wichtig, dass ich mich in meinem Zimmer wohl fühle. Bilder sind ein absolutes Muss und kahle Wände können sehr bedrückend sein. Dabei sollte man darauf achten, dass man nicht unbedingt die schrecklichsten Bilder aufhängt. Klar, niemand kann dazu gezwungen werden, sich Blumenwiesen, lachende Kinder oder Herzchentapete an die Wand zu klatschen. Aber dann wenigstens Bilder mit neutraler Stimmung. In neutralen, evtl. sogar tröstlichen Farben.
Äußere Ordnung erzeugt innere Ordnung. Ich merke an mir selbst, dass es mir weniger gut geht, wenn mein Zimmer eher einer Müllhalde, als einem Wohnraum ähnelt. (Ein Grund, warum ich gleich nach Hause gehe und aufräume…)
Und: der Geruch ist von nicht geringer Bedeutung! – Häufig lüften, vielleicht sogar ein Raumspray besorgen oder Duftkerzen aufstellen. Räucherstäbchen sind auch nicht schlecht.
So. Das Zimmer/die Wohnung ist jetzt angenehm gestaltet.
Weiter geht es mit der Musik.
Auch hier gilt: wenn schon nicht fröhlich oder positiv, dann wenigstens neutral. Nicht die schlimmsten Heulballaden oder düstersten Symphonien ins Regal stellen. Es dauert sicher eine Weile, bis man die richtige Musik oder den passenden Künstler für sich gefunden hat, der einen in schlechten Momenten trösten, der aber auch in guten Zeiten die positive Stimmung unterstützt; aber gerade dieser Prozess kann auch schon ein Erlebnis sein!
Was für die Musik gilt, gilt auch für Bücher und Filme.
Das sind erst mal ein paar kleine Tipps, die den Einstieg in das Projekt: Ich bastle mir mein Leben! Erleichtern könnten.

Allerdings möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich hier nur von mir und meinen Ansichten geredet habe. Das kann man auf keinen Fall auf jeden anderen Menschen eins zu eins übertragen.
Aber vielleicht waren ein paar Denkanstöße dabei.
Und zum Schluss noch ein letzter Gedanke:
Der Tod kommt sowieso, kostenlos und freihaus. Aber mein Leben kann ich selbst gestalten und beeinflussen, hier bin ich der Bestimmer, also: Nutze die Chance, Herr über deine eigene kleine Welt zu sein!

PS: Und was die Elefanten auf Eis angeht - ab dem 26. Januar mache ich einen Tanzkurs! ;-)

Dienstag, 8. Januar 2008

Illusion und Wirklichkeit

Mo: Nervenzusammenbruch in der Mittelaltervorlesung, Heulkrampf am Nachmittag und völlige Verzweiflung nach der abendlichen Kelten-Übung.
Di: Erneuter Zusammenbruch, wiederholte Wein- und Schreikrämpfe, extreme Aufregung vor dem Referat, schließlich während des Referates: Ohnmachtsanfall.

So sah mein Plan für diese Woche aus.
Ich habe fest damit gerechnet, dass es so oder so ähnlich ablaufen wird.
Aber jetzt sitze ich hier im Computerraum der Hauptbib und erfreue mich bester Gesundheit.
Da stimmt doch was nicht…
In mein Leben scheint sich ein positiver Virus eingeschlichen zu haben.
Denn diese Woche begann damit, dass ich erst mal ohne Regenschirm durch Erlangen gestapft bin, um dann noch schnell meinen Einkauf zu erledigen und mit gefühlten zehn Meter langen Armen wieder nachhause zu kommen. Ohne das bekommen zu haben, was ich eigentlich wollte. Eine Rohrzange. Denn ich hatte vor, den Schlauch meines Vorderrades zu wechseln (ja, schon wieder). So begab ich mich nach einem kleinen Frühstück mit meinem Taschenmesser, an dem eine kleine Zange ist und dem neuen Schlauch in den Hof, um es erst mal so zu probieren. – Da ist noch nicht viel Positives zu sehen, es lief also wie geplant.
Als ich aber quer über den Hof gehe, bemerke ich, dass der Mann unserer Hausmeisterin soeben an deren Rad herum schraubt. Kurzer Hand und völlig gegen mein Prinzip, niemanden um einen Gefallen zu bitten, gehe ich zu ihm hin und bitte freundlich und gutgelaunt (warum das denn?) um eine Zange. Er gibt mir eine, ich bau das Vorderrad aus, bin dabei den Schlauch einzufädeln, als er um die Ecke des Fahrradunterstandes lugt, mir in gebrochenem Deutsch klar macht, dass ich die Zange an einem bestimmten Platz bei den Fahrrädern liegen lassen soll. Dann stützt er die Hände in die Hüften, sieht zum Himmel und meint nur „Ha, Frühling, wunderbar!“.
Ich war mit der Reparatur schneller fertig als gedacht und konnte wenig später zur Mittelaltervorlesung radeln.
Das war das erste positive Erlebnis.
Am Abend folgte das Zweite. Denn in der Kelten und Germanen – Übung beantwortete ich eine Frage eines Kommilitonen, die selbst unser Dozent nicht sofort beantworten konnte. Dieser meinte dann in einem selbstironischen Ton, dass er sich ein bisschen schäme, nicht selbst gleich so geantwortet zu haben, das sei eine sehr intelligente Antwort und sehr schön.
Heute ging es dann so weiter.
Ich ging zwar morgens nicht zur Linguistik-Sitzung, weil ich extrem müde ziemlich mies drauf war, aber nachdem ich dann doch aufgestanden war, lief wieder alles wie geschmiert.
Die Dame im Kopiergeschäft war sehr nett zu mir, lächelte freundlich und wünschte mir einen schönen Tag. (klar, das macht sie bei jedem, aber mir ist es eben aufgefallen…)
In der Bibliothek sitzend bekam ich noch mal einen leichten Schock, als um viertel vor zwölf mein Handy vibrierte und mich darauf hinwies, dass um viertel nach zwölf das Seminar anfängt, in dem ich mein Referat zu halten habe. – Ich war innerlich auf zwei, nicht auf zwölf eingestellt.
Um die Sache abzukürzen: Es lief sehr glatt. Der Dozent und ich hatten häufig Blickkontakt, was mir persönlich ziemlich viel Sicherheit gab. Er witzelte sogar und als ich dann endlich dran war (als Letzte!), begann es mir sogar nach den ersten drei vier Sätzen richtig Spaß zu machen und ich hätte mich gerne weiter mit den anderen über Nero und seine künstlerischen Exzesse unterhalten.
Die Krönung war, dass ich die Bestätigung bekam, dass ich die Gliederung meines Referates für die Hausarbeit übernehmen kann.
Beflügelt von diesem Erlebnis schwang ich mich auf meinen Udo (Fahrrad) und belohnte mich mit einem Zwischenstopp bei McDoof und einer neuen CD. „In-a-gadda-da-vida“ von Iron Butterfly. Zehn Minuten Solos. Gibt´s was Geileres?
Und es war nicht so, dass etwa die Glückssträhne abbrach. Der Typ im Musikladen war sehr nett und im Mc wurde ich angegraben.
Ja, ich. – Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
Und es tat so gut, dem Typen klar zu machen, dass er sich keine Mühe geben muss, weil ich schon vergeben bin! Und das sehr glücklich.

Als ich zwischendurch ein wenig nachgedacht habe, kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht gar nicht so schlecht in Philosophie wäre. – Klar, dieses Fach besteht nicht daraus, sich ständig irgendwelche Theorien zu überlegen, die sehr abstrakt und kaum nachvollziehbar sind…aber trotzdem hat Philosophie für mich was mit „Herumspinnen“ im weitesten Sinn zu tun. Und das kann ich ja eigentlich ganz gut.
Stellt sich nur die Frage: Was macht man mit einem Abschluss in Philosophie?

Wie dem auch sei.
Sollte ich ein Fazit der bisherigen Woche ziehen, könnte ich fast sagen:
Das Leben ist schön.

Und jetzt geh ich nachhause, schnapp mir meinen Charlie (Gitarre) und sing ne Runde!


PS: Sollte sich jetzt jemand Gedanken machen, warum ich Gegenständen Namen gebe, kann ich ihn beruhigen: Ich bin nicht die einzige! – Und außerdem macht es Spaß und man fühlt sich weniger allein ;-)

Montag, 7. Januar 2008

Geschichte ist erzählen vom Krieg

Als ich vorhin in der Kelten und Germanen – Übung saß, kam mir dieser Gedanke.
Man hangelt sich doch in der Geschichte von einem Krieg zum anderen. Die Zeit dazwischen, wie jemand mal den Frieden definiert hat, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Ich habe noch nie etwas von einem Friedenshistoriker gehört. Dafür aber von Militär- oder Kriegshistorikern, von Schlachtenforschern und ähnlichen Spezialisten.
Kann es nicht sein, dass sich diese Sichtweise auf unser Gesamtgefühl auswirkt? – Ich meine, wenn man sich ständig sagt, dass man dumm ist, glaubt man das auch irgendwann (wie ich aus eigener Erfahrung weiß…). Wenn man sich nun ständig damit beschäftigt, warum und wie sich verschiedene Länder, Herrscher oder Heere (denn die sind es ja eigentlich, die kämpfen) bekriegt haben, bekommt man da nicht eine negative Sichtweise, die immer unterschwellig mitschwingt, wenn man sich mit anderen Dingen abgibt?
Wobei es nebenbei bemerkt eine komische Formulierung ist, wenn man sagt oder schreibt, dass zwei Länder krieg führen.
Denn streng genommen sind es in den meisten Fällen zwei Personen oder ein zumindest überschaubarer Kreis, die den ganzen Zinnober anfangen. Nur sind die es in den seltensten Fällen, die letztlich wirklich daran beteiligt sind, wenn es um die Austragung des vom Zaun gebrochenen Streites geht.
Die Zeit, in der ein Herrscher selbst in die Schlacht gezogen ist, ist vorbei. Diese Verbrecher (ich glaube daher kommt dieser Begriff; sie haben einen Streit vom Zaun gebrochen) haben sich immer weiter vom eigentlichen Geschehen entfernt. Irgendwann zwischen Mittelalter und Neuzeit hat sich ein Oberhaupt mal gedacht „Nö, ich reite nicht mit. – Da wäre ich ja schön blöd, am Ende bekomme ich eins auf die Mütze.“ (Denn in solchen Kriegen gibt es eben nur einen Versuch. Kampf bis zum Tod des Gegners und gut is…) Und der Gegenspieler dieses Oberhauptes dachte sich „Wenn der nicht kommt, komm ich auch nicht. – Außerdem regnet´s draußen…“. Schon war der Krieg aus der Distanz erfunden.
Noch eine These zur Wortgenese: Gegenspieler…man könnte auch meinen, dass das Wort in eben dieser Erfindung seinen Ursprung hat. Die Chefs sitzen daheim und spielen mit kleinen Soldaten auf nachgebauten Schlachtfeldern den draußen tobenden Krieg nach. Oder vor. Je nach dem.
„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“ – Ein wunderbarer Satz. Was täte George W. Bush, wenn seine Soldaten auf dem Absatz Kehrt machten und lieber mit ihren Familien zuhause blieben? – Ja, eine unwahrscheinlichere Vorstellung als diese gibt es nicht, aber mal angenommen, es passierte doch. Was wäre dann?
Was hätte Hitler getan, wenn niemand den rechten Arm gehoben (was er selbst übrigens äußerst selten tat!) und brav „Heil“ gegrölt hätte? – Vielleicht wäre er aus Verzweiflung allein losgezogen. Oder hätte wieder Postkarten bemalt.
So gesehen ist es äußerst schade, dass ihn die Kunsthochschule, an der er sich beworben hatte, nicht nahm.
Die Menschen könnten so interessante Experimente machen, die niemandem schaden würden. Im Gegenteil, wir hätten alle unseren Spaß daran, weil wir begreifen würden, dass wir uns so verdammt ähnlich sind.
Wir sind eine Herde.
Wie oft wird gesagt, dass der Mensch ein Rudeltier sei und nicht allein leben könne. Aber leider geht unser Rudelbewusstsein nur selten über das Ende der Straße in der wir wohnen oder den Verwandtschaftsgrad der Tante hinaus. – Es sei denn, es ist Fußballweltmeisterschaft…
Es klingt sicher ziemlich verträumt, aber im Endeffekt sind wir alle eine Familie. Eine sehr große, zugegeben, aber über so und so viele Ecken sind wir alle miteinander verwandt.
Das heißt nicht, dass man jeden Idioten lieben und schätzen muss, nur weil er die gleiche Anzahl Chromosome hat (was bei manchen zu bezweifeln ist…). Aber ein gesunder Respekt vor dem anderen, würde viele Dinge im Leben jedes Einzelnen von uns einfacher machen. Wir haben etwa 75 Jahre, die einen mehr, die anderen weniger, die wir auf diesem Planeten leben dürfen. Aus purem Zufall. – Wenn ich die paar Körnchen Optimismus, die ich habe, zusammenkratze, könnte ich das Wort Zufall durch ein anderes ersetzen. Nämlich „Glück“.
Aber es gibt (nicht nur) einen Grund, warum mir das schwer fällt:
Weil man es einfach nicht Glück nennen kann, auf einem Planeten zu leben, auf dem sich Menschen gegenseitig den Schädel einschlagen.
Es gibt das geflügelte Wort, dass man aus der Geschichte lernen kann.
Tja, da haben dann wohl einige im Unterricht nicht aufgepasst…

Gewalt ist keine Lösung.
So abgedroschen dieser Spruch auch klingen mag, aber er stimmt einfach.
Selbst Nero wusste das.
Wenn man seine Fehltritte mal außen vor lässt, könnte man fast sagen, wir bräuchten heute wieder solche „Regenten“.
Männer und Frauen, die sich nicht die Bohne für Militär und kriegerische Auseinandersetzungen interessieren, sondern die der Ansicht sind, dass man Konflikte in streng geregelten Wettstreiten auf der Bühne regeln sollte.
Und mal ehrlich: Da hätten wir alle mehr davon!

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Von geistigem Leerlauf und den zwei Seelen in meiner Brust

So.
Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei. Vielleicht sollte man sagen: sie sind geschafft.
Denn besonders der gestrige Tag war eine Härteprobe für Menschen, die nie das sagen, was sie sich denken, sondern die still sind, so lange es nur irgend geht, um sich nicht in Diskussionen zu verstricken, die sowieso kein Ergebnis hervorbrächten, weil die andere Seite stur bei ihrer Meinung bleibt.
Gestern war selbst ich kurz davor zu platzen.
Es ging um ein typisches Weihnachtsthema: Die Probleme, die andere Menschen mit sich, dem Leben und der Welt haben und mit denen sie nicht fertig werden bzw. die sie auf ihre Weise zu lösen suchen. - Ein beliebtes Thema, weil man dabei so schön die eigenen Macken vergessen und seinen Frust auf andere übertragen kann, weil man sich mit den persönlichen Problemen nicht auseinander setzen will. - Jedenfalls ging es darum, dass eine Bekannte wohl neulich aus dem Bett gefallen ist, als sie sehr alkoholisiert war. Ein gefundenes Fressen. Denn nun kann man darüber lästern, dass diese Frau ja schon immer "nicht ganz sauber" war und sowieso "einen an der Waffel hat". Da kommt man schnell zu dem Schluss: "Na soll sie doch weitersaufen bis sie dran stirbt!" - Die Tatsache, das Alkoholismus eine Krankheit ist, wird dabei einfach ausgeklammert. Besser noch: sie wird nihiliert! Saufen ist keine Krankheit!
Beim Thema Alkohol bin ich sehr empfindlich und kann mich nur schwer zurückhalten, wenn andere sich daran ergehen, welche Probleme ein Mensch damit hat und dass er davon nicht loskommt.
Ich kann es nicht verstehen, dass man sich darüber stundenlang den Mund fusselig reden kann und sich teilweise noch darüber lustig macht, was dem anderen im betrunkenen Zustand passiert ist.
Wahrscheinlich liegt das an meinem Helfersyndrom. Einfach nur dabei zusehen, wie sich ein Mensch langsam aber sicher selbst umbringt, ist nicht meine Art. Und wenn es über den Alkohol läuft, reagiere ich sowieso allergisch.
Diese Einstellung hat dazu geführt, dass die gestern anwesenden Personen in meiner "Achtung" sehr gesunken sind. In dieser Hinsicht befinden sie sich schon stark auf dem Weg zur Verachtung.
Alkoholismus hat seine Gründe in der Tiefe der Psyche. Irgendwas ist irgendwann einmal schief gelaufen oder etwas sehr schreckliches ist passiert und nun versucht dieser Mensch damit fertig zu werden, indem die Erinnerung daran oder die Gefühle, die damit verbunden sind und die immer wieder hochkommen, mit Alkohol bekämpft und unterdrückt werden sollen. - Was leider die Nebenwirkung hat, dass der Mensch daran zerbricht.
Ein schönes Bild dafür findet sich im Film "Einer flog übers Kuckucksnest", als der Indianer von seinem alkoholkranken Vater erzählt. Nicht der Vater hat den Alkohol aus der Flasche getrunken, sondern der Alkohol hat die Seele aus dem Vater gesaugt. - Meiner Meinung nach ein treffendes Bild.

Noch gute eineinhalb Wochen bis zu meinem Referat und fünfeinhalb Wochen bis zu den ersten Klausuren. - Und noch nichts ist gemacht.
Mein Hirn steht still. Nichts tut sich. Ständig bin ich abwesend. Starre Löcher in die Luft oder (wenn ich dann mal nachdenke) überlege mir, was ich sonst machen könnte.
Nacht Treppendorf fahren und das Saxophon ansehen, dass ich nie in meinen Händen halten werde.
Oder dem einen dominierenden Gedanken nachhängen. Der Idee, was am letzten Tag der Ferien passieren könnte. Endlich schlafen. Endlich Ruhe. Nicht mehr gejagt sein, keinen Stress mehr haben, keinen Druck. Einfach Stille.
Wenn nur die Sorge nicht wäre, was das für mein Umfeld bedeutete.
Aber vielleicht sind diese Befürchtungen auch bald weg.

Montag, 24. Dezember 2007

Der Geist des vergangenen Jahres

Sie sind da. Die von mir so gefürchteten Weihnachtsferien.
Ich bin zuhause, bei meiner Familie und es ist bis jetzt ähnlich wie im letzten Jahr.
Bisher hatte ich immer Angst, dass es total langweilig wird, alle sich nur anöden und nichts passiert, woran man sich das ganze Jahr über erinnern und beim nächsten Weihnachten daran anknüpfen könnte.
Dieses Jahr ist das anders.
Ich habe Angst, dass es genau so endet, wie im letzten Jahr. Vor allem Silvester. Der Jahrestag meines endgültigen Zusammenbruchs nähert sich mit unaufhaltsamen Schritten und meine größte Befürchtung ist, dass ich wieder dafür sorgen werde, dass niemand an Silvester gute Laune hat.
Die Ausgangssituation ist vergleichbar mit der im letzten Jahr:
Ich stehe wieder unter Druck. Denn, war es letztes Mal das Theaterstück, das geschrieben werden wollte, so ist es dieses Mal das Referat, das vorbereitet werden muss und die ersten Klausuren, die drohen und deren Stoff gelernt werden muss.
2006 war es so, dass ich dermaßen fertig war, dass ich nicht mal dran gedacht habe, dass es ja noch die berühmte Hintertür gibt; man könnte sich ja einfach verdrücken, den oft zitierten letzten Schritt machen.
Heuer, 2007, ist dieser Gedanke da. Ein Mal noch Weihnachten und Silvester mit Familie und Freund, noch ein Mal alles genießen, alles in mich aufsaugen und dann gehen.
Wie neulich schon erwähnt, macht mir diese Idee keine Angst mehr. Ich fürchte mich nicht davor, was da kommen würde, denn meiner Ansicht nach kommt da nichts. Was mir Sorgen macht ist das Sterben an sich. Wie fühlt sich das an? Hat man Schmerzen? Schläft man einfach nur ein wenn man genügend Pillen schluckt?
Das ist es, was mich zurückhält.
Das und der Gedanke daran, welche Nachwirkungen so ein Abgang hervorruft.
Das Wissen darum, dass es für meine Familie, Freund, Freunde und Bekannten nicht einfach so weiterginge. Und die Zeit des Jahres bliebe immer in unangenehmer Erinnerung.
Es bleibt mir also nichts anders übrig, als weiterzumachen. Fast bin ich versucht, leider zu sagen.
Hoffentlich stehe ich Silvester durch. Ohne Panikattacken, ohne Heulkrämpfe, ohne Angst und ohne den ständigen Drang, irgendwo herunter zu springen, was zu schlucken oder mich zu schneiden.
Wahrscheinlich sollte ich das tun, was schon Rio Reiser mal gesungen hat.
„Halt Dich an deiner Liebe fest!“
Also gut, dann klammere ich mich mal daran und wünsche mir mal wieder, dass das alles endlich ein Ende nimmt und ich wieder einigermaßen normal leben kann.
Ich glaube, das ist mein einziger wirklicher Wunsch für das nächste Jahr: ein normales Leben.
Selbstbewusst und mutig.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Trotz-Problem und Ablenkungsmanöver

Ich glaube, dass ich mit einer ganz speziellen Art von Menschen ein großes Problem habe.
Am besten lassen sie sich wohl so beschreiben:
Sie sind weiblich, relativ klein, sehr dünn, machen immer einen schwächlichen, sehr zerbrechlichen Eindruck, sie reden leise, monoton, leicht verworren und man hat ständig Angst, dass sie gleich zusammenbrechen, weil sie so kraftlos sind.
Wenn mir so jemand dann auch noch zeigt, dass ich etwas falsch gemacht habe und mir sagt, ich habe mich nicht überzeugend verkauft, wo ich doch nicht mal die Chance dazu hatte, dann ist alles aus. Dann werde ich stur und trotzig und diejenige hat dann kaum eine Option, sich bei mir in ein gutes Licht zu stellen.
Sicher ist das von mir verkehrt, es ist mein Fehler, wenn ich da gleich jemanden in eine Schublade stecke und ihn da nicht mehr rauslasse. Aber in solchen Angelegenheiten kann ich nicht aus meiner Haut. Der Knackpunkt ist allerdings, dass ich bei dieser Frau eine Hausarbeit schreiben müsste und im Augenblick ist es so, dass ich es mich überhaupt nicht reizt, auch nur ein Thema zu finden.

Mein Hirn ist schlauer als ich!
In zweieinhalb Wochen habe ich ein Referat zu halten und die ersten Klausuren tauchen am Horizont auf. Was mache ich? – Es fallen mir tausend Sachen ein, die ich machen müsste, könnte und sollte. Ich sitze da, starre Löcher in die Luft, löse Sudokus oder räume in meinem Zimmer herum.
Obwohl ich sehr wohl weiß, dass die Ferien nicht so viel Zeit bieten, wie es auf den ersten Blick aussehen mag!
Psychologisch gesehen ist das wahrscheinlich Verdrängung in Reinform.
Aber was tut man dagegen? Denn es rächt sich bereits jetzt schon in bitterster Form: Panikschübe!

Ich hätte nie in dieses Seminar gehen sollen.
Es zeigt mir nur jeden Mittwoch aufs Neue, dass das schlimmste geschehen ist, was mir passieren konnte: Ich kann kein Theater mehr.
Ich habe vergessen, wie es geht.
Mehr noch: Ich habe das Gefühl, es nicht gekonnt zu haben.
Es scheint mir unglaublich weit weg, beinahe fremd. Nein, nicht beinahe: Es ist mir fremd geworden. Eine fremde Sprache und ich habe nicht mal ein Wörterbuch.
Ich verstehe kein Wort, keinen Laut, nichts.
Es ist vorbei.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Studieren ist wie Weihnachten

Warum schreibt man Seele mit zwei E´s und wie spricht man Keks eigentlich korrekt aus?

Das sind zwei Fragen, die mich schon länger beschäftigen und die gerade vorhin in der Linguistik-Sitzung wieder durch mein Hirn geschlichen sind.

Zur Seele:

eigentlich ist ja klar, dass man den ersten E-Laut in diesem Wort lang ausspricht. Selbst wenn man "Sele" schriebe, würde jeder [ze:lə] sagen.

Das hängt mit dem Silbenprinzip zusammen: Endet eine Silbe auf einem Vokal und ist damit offen, wird dieser zu einem Langvokal.

Weshalb stehen da aber trotzdem zwei E´s?

Eine Erklärung wäre, dass es einfach eine optische Hilfe sein soll (das ist tatsächlich eine in der Wissenschaft vertretene Meinung!).

Warum allerdings dann kein H da steht, also , ist mir auch nicht klar geworden…

Zum Keks:

Hier ist es wohl schwierig, eine eindeutige Erklärung zu finden (jedenfalls für mich als Laien!), denn ich denke mal, dass sich dieses Wort vom englischen „cake“ ableitet, was ja so viel wie Kuchen heißt.

Das würde zumindest plausibel machen, warum wir "Keks" und nicht "Kex" schreiben.

Da man aber "Kex" durchaus schreiben könnte, würde dann das Wort aus drei Graphemen (unwissenschaftl.: Buchstaben) bestehen und hier käme wieder das Silbenprinzip zum Einsatz: Ein einsilbiges Wort, das auf einem Vokal oder einem Konsonanten endet, führt ebenfalls zu einem Langvokal. (Vorsicht: es gibt einige Ausnahmen!)

Damit hätte ich ja eigentlich meine Fragen selbst beantwortet.

Wobei ich hier jedoch deutlich machen möchte, dass ich keinerlei Garantie geben kann, inwieweit diese Spekulationen tatsächlich richtig sind.

Aber: zumindest für mich ist die Welt um zwei Geheimnisse ärmer geworden.

Was mich zu einem philosophischen Exkurs anregt:

Studieren bzw. Lernen im Allgemeinen heißt doch eigentlich nur, sich seiner Illusionen zu berauben und die Welt zu entmythologisieren.

Je mehr ich mir an Wissen aneigne, desto weniger kann ich verrückte Theorien aufstellen, warum bestimmte Dinge so und nicht anders sind.

Um das mit einem aktuellen Beispiel zu untermauern:

Lernen ist wie Weihnachten!

Solange ich die Geschenke eingepackt unter dem Christbaum liegen lasse, kann ich mir ausmalen, was sich darin wohl verbergen mag, weil ich nicht weiß, was tatsächlich drin ist. Ich kann mich in wildesten Phantasien ergehen und eine große Spannung baut sich in mir auf, die nur so lange schön ist, bis ich zur Tat schreite, die Schleifen aufziehe, das Papier entferne und letztlich vor dem wirklichen Inhalt sitze.

Dann ist die Spannung vorbei und grob gesagt ist auch Weihnachten in diesem Moment vorbei.

Die ganze Weihnachtszeit ist geprägt vom Warten auf diesen einen Moment. Und wenn er dann da und letztlich vorüber ist, ist Weihnachten beendet.

So ist es mit dem Lernen auch:

Man arbeitet eine ganze Weile darauf hin, dass man etwas dazulernt, etwas Neues, was man vorher noch nicht wusste. Man klärt Fragen, die einen schon soundsolange beschäftigt haben, sitzt am Ende vor einem Haufen Tatsachen und ist um eine Handvoll Hirngespinste ärmer.

So gesehen ist Studieren keine angenehme Angelegenheit und wenig kreativ.

Montag, 17. Dezember 2007

Na gut...,

ich hatte Unrecht!
JA, Götz ist kein Wolf und JA ich war vollkommen auf dem Holzweg.

Zu dieser Stellungnahme bewegt mich nicht etwa plötzlich erlangtes Verständnis oder eine rasante Eingebung, sondern die Erkenntnis, dass ich nur eine Studentin im zweiten Semester bin und die Dozentin eben eine Dozentin mit nem Titel. - Wenn sie so sehr darauf beharrt, dass ich mich da in eine Sache verrannt habe, die so nicht stimmt, dann wird sie wohl Recht haben.
Das sehe ich ein und gebe hiermit meinen Kampf um die Postition Götzens als Wolf auf.

Depression kann tödlich sein.
Wörtlich. Das wurde mir heute in einem ernsten Gespräch klar.
Es ist zwar eine Krankheit und die ist sehr gut behandelbar, sogar heilbar; aber der Weg ist manchmal lang und geht nicht immer nur bergauf, sondern kann in extreme Tiefen führen, die man zuvor noch nie gesehen hat.
Und besonders gefährlich wird es, wenn einem der eigene Tod keine Angst mehr macht. Wenn man bei dem Gedanken daran, dass man sich doch eigentlich umbringen könnte, kein mulmiges Gefühl mehr bekommt, sondern dieser Option ruhig, beinahe gelassen gegenübersteht.
Beispiel:
Man kommt von der Uni nach Hause, der Tag war weder gut noch schlecht, eigentlich normal und man hat keinen Grund, wegen irgendetwas traurig zu sein.
Als man die Tür seines Zimmers hinter sich schließt, kommt einem plötzlich eine Idee:
Wenn man eben diese Türe nicht nur zudrückte, sondern absperrte, könnte man in Ruhe und bei seiner Lieblingsmusik sterben. Es bemerkte keiner. Erst nach ein bis drei Tagen käme vielleicht jemand vorbei und klopfte an.
Man müsste sich keine Gedanken machen, in einer blöden Situation gefunden zu werden oder gar in die Verlegenheit zu kommen, dass man rechtzeitig gefunden, "gerettet" werde und dann in Erklärungsnot geräte, weil einen doch noch jemand früh genug erreicht hätte.
Man ginge noch ein Mal durch sein Zimmer, sähe sich ein Mal noch die Bilder an, die man gemalt hat, dann legte man sich ruhig hin, drehte die Musik etwas lauter und schliefe ein. Endlich Ruhe.
Kein gehetzes Unbehagen mehr, das einen umtreibt, keine Angst mehr, nicht zu genügen oder gar zu stören. Völlige Ruhe.
Ich denke, dass es sich wie eine Narkose anfühlt. Man bekommt gar nichts mit, nicht mal, dass man in "Narkose" ist.

Aber wie ich mich kenne, wäre es kein schöner Tod. Denn mir kämen Menschen in den Sinn, die wegen eines solchen Ablebens meinerseits ernsthafte Probleme bekämen. Von wegen "Haben sie das nicht bemerkt?" - "Sie muss doch was gesagt haben!" - "Wie, Sie wussten, dass sie depressiv ist? - Warum haben Sie nichts getan?"
Und letztlich machten sich einige Leute diese Gedanken sowieso schon. Egal, ob sie mich leiden konnten oder nicht.
Ich kenne das Gefühl, wenn man aufgezeigt bekommt, wie machtlos man eigentlich ist. Denn gegen einen solchen Wunsch kommt niemand an.
Nicht mal der, der ihn hat.
Einerseits würde es sehr gut zu mir passen, diesen Weg zu wählen. Ein Davonlaufen, eine Flucht vor dem, was ich nicht zu bezwingen fürchte. - Meine eigenen Ansprüche.
Das ist der Strick, den ich mir unablässig drehe, jeden Tag aufs Neue.
Ich gestehe mir keine Fehler zu und finde doch immer wieder neue an mir. - Anders: Ich bin ein Fehler.
Als ich vor nicht all zu langer Zeit einen Ausspruch Claudius' Mutter über ihren "missratenen" Sohn gelesen habe, kam ich mir angesprochen vor. Sie sagte, er sei etwas, das die Natur angefangen, aber nicht zu Ende gebracht habe. Etwas Unfertiges.
Ein Bruchstück.

Ab und zu komme ich mir so vor. Ich bin auch nur ein Bruchstück von dem, was ich eigentlich sein sollte. Ob das nun gut oder schlecht ist, will ich nicht festlegen.
Ich weiß nur, dass ich nicht ganz bin.

Um zu dem ernsten Gespräch zurück zu kommen: Wir haben eine Art Pakt geschlossen, der besagt, dass ich nichts tun werde, was für mich tödlich enden würde.
Ich habe es versprochen.
Mal wieder.

Der Kampf geht also weiter.
Mein Gegner - bin ich.
Ich kämpfe - um mich.

Jetzt geht`s zur Übung in Alter Geschichte: Germanen und Kelten in der antiken Ethnographie.
Heutiger Tagesordnungspunkt: Die "Germania" des Tacitus, Kapitel vier bis acht.
Wenn doch jedes Seminar und jede(r) Dozent(in) so angenehm wäre...

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Götz ist (k)ein Wolf!

Tja,
das soll sie also gewesen sein, die von mir so gefürchtete Diskussion über Götz von Berlichingen.
Ausgangssituation war folgende: Unsere Gruppe bestand aus vier Personen und wir hatten neunzig Minuten Zeit, um über unsere jeweiligen Themen zu reden.
Nun gestaltete es sich allerdings so, dass bereits beim ersten Mitglied der Gruppe die Teilnehmer des Seminars auch nicht im geringsten reagiert haben. Es kamen keine Antworten, das Gespräch kam nicht in Gang.
Allerdings sah es die Dozentin auch nicht als ihre Aufgabe, irgendwann mal einzugreifen und das ganze zu beschleunigen. Die Folge war, dass nach dem ersten Referenten bereits siebzig minuten vergangen waren.
Die zweite Referentin hatte ein ähnliches Problem, denn auch hier hielten es nur sehr wenige Leute für angebracht, sich zu ihren Fragen zu äußern. Weitere zehn Minuten vergingen.
Wer der einfachen Mathematik mächtig ist weiß, dass lediglich zehn Minuten übrig blieben.
Als ich nun an der Reihe war, begann ich anhand einer Textstelle zu erklären, dass sich meiner Meinung nach Götz als Wolf und Weislingen als Schaf sieht. (Die Stelle befindet sich im ersten Akt, Szene "Jaxthausen. Götzens Burg", als ein Reiter Berlichingens sein Kommen ankündigt und von einem Erlebnis erzählt, das Götz als gutes Vorzeichen gedeutet hatte: fünf Wölfe waren über eine Herde Schafe hergefallen und hatten "weidlich angepackt")
Meine Frage an den Kurs war dann, ob man Parallelen ziehen könnte zwischen Götz und einem Wolf. Im Laufe meiner Vorbereitung hatte ich herausgefunden, dass im Wappen des historischen Götz´ ein Wolf zu sehen war. - Aber das nur nebenbei.
Die Parallelen, die ich gefunden hatte, waren folgende:
a) Ein Wolf hat für mich etwas von Freiheit --> Götz hat die Freiheit als Ideal!
b) Der einsame Wolf --> Götz ist als edler Ritter sowas wie der Letzte seiner Art
c) Wölfe werden als Feinde gesehen und gejagt --> Götz wird geächtet und letztlich gejagt!
d) Ein Wolf kann in Gefangenschaft schlecht leben --> Götz fühlt sich in der Gefangenschaft nicht wohl und stirbt letztlich auch in Gefangenschaft!
e) In der gleichen Szene sagt Weislingen zu Götz, dass dieser die Fürsten ansieht "wie der Wolf den Hirten" --> Götz wird hier sogar als Wolf bezeichnet!

Für mich war, um es kurz zu machen, klar, dass Götz sich als Wolf sieht.
Die Dozentin war anderer Meinung. Sie berief sich auf einen Nebensatz, den der Ritter fallen lässt, in dem er erwähnt, dass in jenem Moment, da sie die Geschichte mit den fünf Wölfen erlebt hatten, Weislingen mit vier seiner Männer angeritten kam. Für sie war Weislingen der Wolf.
Außerdem berief sie sich auf die Bibel, in der der Wolf ja etwas "Dämonisches hat".

Das wäre ja alles nicht so schlimm gewesen.
Was mich nur geärgert hat: Ich durfte meine Argumentation nicht vorbringen. Denn etwa eine Minute, nachdem ich an das Pult getreten war, fingen 98% des Kurses an, einzupacken. Das war der Dozentin allerdings ziemlich egal. Sie unterbrach mich mit der Begründung, dass man darüber jetzt noch Stunden diskutieren könne und dass das eine schwierige Stelle sei. Dann fragte sie den Kurs, ob wir in der nächsten Stunde weiter über Götz reden oder doch mit Kleist anfangen sollten. - Ist ja fast klar, wofür sich der Kurs entschied...für Kleist.

Zusammengefasst sah es so aus:
Unsere Vorbereitungen waren für die Katz.
Das Mädel, das nach mir hätte dran kommen sollen, hat völlig umsonst gewartet. Und ich war unnützerweise geschätzte drei Stunden in der Bib gesessen, um irgendwas zu finden, worüber man reden könne, nur um mir dann anhören zu dürfen, dass man da ja lange drüber reden könne und dass wir dann nächste Woche ein neues Thema anfangen.

Problem ist nur, dass ich bei dieser Frau eine Hausarbeit schreiben muss. Meine Angst ist jetzt, dass ich mit meinen Ansätzen in der Arbeit genau so falsch liegen könnte, wie gestern. Ergo: Ich krieg den Schein nicht!

Bin ich zu Recht sauer?
Darf man sich darüber aufregen?

Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich jetzt höllisch aufpassen muss, dass ich die typischen Gedanken nicht zulasse, die mir sagen "Du bist dumm! - Du verstehst überhaupt nichts! - Du machst alles falsch! - Du bist ein Versager! - Du bist einfach zu blöd für diese Welt! - Du verdienst den Studienplatz nicht! - Du wirst es nie schaffen!".
Die schlimmste Idee ist allerdings die fünfte: Du bist einfach zu blöd für diese Welt!
Warum dann noch bleiben?

PS: Und Götz ist DOCH ein Wolf!

Dienstag, 11. Dezember 2007

Was soll man da sagen?

Man hat die Aufgabe, sich aus "Götz von Berlichingen" (Goethe) ein paar Stellen raus zu suchen und darüber etwas zu erzählen.
Mir wurde Götzens Traum (in dem ihm Weislingen die Hand abreißt) und seine "bildliche Sprache" zugeteilt.
Super... was soll man da für Fragen als Diskussionsgrundlage zusammen stellen?
Ich habe mir noch die Wolf-Symbolik ausgesucht, weil es ja das Erlebnis mit den Wölfen, die eine Schafherde "überfallen", gibt.
Aber was soll man da groß diskutieren?
Morgen ist diese bescheuerte Diskussion angesagt und ich habe keinen Plan, was ich machen soll...
Ja, man kann die übliche Lehrerfrage stellen: Was meint der Autor damit, wenn Götz davon träumt, dass ihm die Hand abgerissen wird?
Aber was fragt man sonst noch?
Ich kann doch nicht bei jedem meiner Punkte fragen: Was ist damit gemeint?
Das wird morgen ein riesiges Desaster!
Am Donnerstag darf ich dann bei der lustigen Dozentin antanzen und ihr nen Vorschlag für ein Hausarbeitsthema machen.
Wie es aussieht, werde ich den "Prinz von Homburg" (Kleist) nehmen und mich mit dem Traum, den er am Anfang des Stückes hat, beschäftigen. Dann könnte man auch noch über die Frage des Rechts und wie es umgesetzt wird schreiben. - Aber dann hört es auch schon wieder auf...
Ich glaube, ich habe das Denken verlernt.
Speziell wenn es um das Theater geht.
Einfach alles ist weg.
Jede Freude daran und jede Leidenschaft dafür.
Da ist nur noch Leere. - Fast schon Abneigung.
Es ist, um mal deftig zu reden, zum Kotzen!
Wenn mir nicht im Laufe des Nachmittages eine glanzvolle Idee kommt oder ich einen genialen Geistesblitz habe, werde ich mich morgen vor etwa sechzig Leuten zum Affen machen und wie ein Idiot dastehen.
Was freue ich mich darauf.

Montag, 10. Dezember 2007

Pumpen für Erlangen

Man stelle sich vor, man gewinne im Lotto einen Betrag von 43 Millionen Euro.
Da drängt sich doch die Frage auf: Was fängt man mit so viel Geld an?
In den letzten Tagen konnte man auf diversen Radiosendern Umfragen verfolgen, zu denen Hörer dem Rest der Welt mitteilen konnten, was sie denn mit dem Gewinn anfingen.
Die meisten nannten eine Spende an eine wohltätige Organisation.
Ich persönlich bin bei solchen Antworten ja eher skeptisch.
Denn meiner Meinung nach sagen diese Menschen das nur, weil sie a) wissen, dass die Chance, dass sie ihr Versprechen in die Tat umsetzen müssen so gering ist, dass sie ruhigen Gewissens eine solche Äußerung machen können und b) mal ehrlich, wer möchte nicht bei seinen Nachbarn, Bekannten oder Arbeitskollegen als fürsorglicher und spendabler Mensch gelten? - Da muss man doch die Möglichkeit nutzen, das den Zuhörern mitzuteilen!

Ich habe mir auch so meine Gedanken gemacht, was ich mit einer solchen Menge an Schotter täte. Und ich war ehrlich zu mir (und meiner WG). Von diesen 43 Millionen würde ich erst mal keinen Cent spenden.
Auf meiner to-do-Liste stünde eine Generalsannierung meines Elternhauses, ein Saxophon, ein Motorrad, ein Laptop, eine kleine Eigentumswohnung und ein Hund!
Jeder meiner Brüder, meine Schwester, mein Vater und meine Mutter bekämen jeweils eine Million ab.
Den Rest des Geldes legte ich sicher bei meiner Bank an.
Falls ich dann doch mal auf die Idee kommen sollte, ein bisschen was zu spenden, dann mit Sicherheit einer Einrichtung, die sich mit Forschung zu oder Behandlung von psychischen Erkrankungen beschäftigt.

Was ich aber auf jeden Fall stiften werde, ist mir gestern abend bei meiner Odyssee durch Erlangen klar geworden: öffentliche Luftpumpen für Radfahrer!
Als wir nämlich den Schlauch meines Vorderreifens gewechselt hatten fiel uns auf, dass keine passende Luftpumpe vorhanden war.
Also machten wir uns nach einem Abstecher auf dem Weihnachtsmarkt und einem heißen Kinderpunsch auf den Weg zur nächsten Tankstelle.
Dort hing an der Pumpstation ein Schild: Außer Betrieb.
Alles klar.
Ab zur nächsten Tankstelle.
Dort angekommen trauten wir unseren Augen nicht.
Außer Betrieb.
Na herrlich. Zum Glück gibt es ja Siemens in Erlangen. Die haben nämlich an einem ihrer Gebäude eine kleine Luftpumpe angekettet, die man auch als nicht Siemensianer benutzen kann. - Wenn man weiß, wo sie ist!
Nachdem wir sie gefunden hatten, versuchten wir vergeblich Luft in den Reifen zu bekommen. Diese Luftpumpe hättet ebenfalls ein Schild mit der Aufschrift "Außer Betrieb" verdient.
Leicht genervt steuerten wir wieder auf die zweite Tankstelle zu, die Augen immer offen haltend, ob nicht an einem der rumstehenden Räder eine Pumpe sein könnte. Aber die eine war abgesperrt und die andere passte nicht auf das Ventil.
Als wir schließlich an der Tankstelle ankamen und schon kaum mehr Hoffnung bestand, dass mein Rad wieder in Gang käme, sahen wir direkt vor uns, dort wo niemand es erwartet hätte, grau und leicht schelmisch grinsend, einen Pumpkübel.
Super! Nach einer knappen Stunde finden wir endlich das, wonach wir gesucht haben.
Und das in einer Fahrradstadt!
Ganz toll...
Und wer ist schuld?
Der Reißnagel, dieser kleine Dreckskerl! Nur weil der grade Bock hatte ein wenig Riesenrad zu fahren und sich in meinen Vorderreifen gebohrt hat, kam es zu dieser Suchaktion!
Aber das ist ja oft bei kleinen Wesen/Dingen so, dass sie ihren Mangel an Größe durch irgendeine Art von Boßheit kompensieren!
(ich weiß, es gibt auch Ausnahmen...)

Dank des Seminars, dass ich heute noch von 18.15 - 19.45 Uhr habe schaffe ich es auch nicht mehr zur Stadtbibliothek, um dort meine gehörte Wallander-CD zurück zu geben und mir einen neuen Krimi auszuleihen.
Dafür hole ich mir morgen einen.
Neulich hörte ich mir "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse als Hörspiel an. Es hat mir ziemlich gut gefallen muss ich sagen.

Nun ja, jetzt heißt es sich noch mal konzentrieren und kurz die Aufzeichnungen zur Übung durchzulesen. Die "Germania" des Tacitus stehen auf dem Plan.
Die Germanen hatten übrigens eine lustige Art und Weise mit des Ehebruchs bezichtigten Frauen umzugehen.
Der Ehemann schor ihr den Kopf, entkleidete sie vor der gesamten Verwandtschaft und scheuchte sie dann, sie mit einer Peitsche schlagen, durch das Dorf.
Nicht schlecht...

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Auseinander gelebt

Eigentlich gehöre ich ja zu den Menschen, die die Entschuldigung, oder besser gesagt, die Ausrede "Wir haben uns auseinander gelebt." nicht gelten lassen.
Allerdings muss ich zugeben, dass es manchmal einfach keine bessere Erklärung für den Zustand einer Beziehung gibt, wie auch immer diese geartet sein mag.
-Da ich gelernt habe, dass man immer mit aktuellen Beispielen glänzen kann, baue ich eines ein.-
Zu Beginn meines Studiums (also vor einem halben Jahr...) habe ich eine Mitstudentin kennen gelernt, mit der ich mich auch ganz gut verstanden habe.
In letzter Zeit habe ich allerdings gemerkt, dass mir ihre Art im Moment einfach nicht gut tut.
Das klingt extrem komisch, wenn ich das sage, denn ich habe ja bisher zu den Menschen gezählt, die der Meinung waren, dass selbst ein Mensch mit dem miesesten Charakter noch viel zu gut für sie ist.
Aber im Augenblick kann ich es nicht brauchen, wenn sich jemand nicht für das begeistern kann, was der Typ da vorne erzählt. Ich brauche jemanden, der mich mitzieht - weil ich es alleine nicht auf die Reihe bekomme. Ich kann mich selbst einfach sehr schlecht bis gar nicht motivieren und da hilft es mir auch nichts, wenn dann jemand neben mir hockt, der mir erzählt, dass er nächste Woche nicht kommt, weil er auf ein Konzert geht. - Das sind Momente, in denen ich mich dann frage: Wozu?
Wozu den ganzen Mist lernen? Warum nicht von Beruf arbeitslos sein? Dann kann man tun und lassen, was man will, bekommt bei vielen Veranstaltungen günstiger Karten (falls man sich die dann überhaupt leisten kann), aber man hat nicht diesen gottverdammten ständigen Leistungsdruck, der einem im Nacken sitzt und immer wieder wie ein Drillsergant auf einen einbrüllt "Du musst noch mehr schaffen! - Du bist nicht genug! - Streng Dich mehr an! - Du bist ein Versager!".
Das ist es nämlich, was mich so fertig macht. Druck.
Klar, ein Großteil von dem, was ich darunter verstehe ist hausgemacht. Ich könnte es viel einfacher haben, wenn ich meine Ansprüche an mich selbst runterschrauben würde. Aber das klappt für zehn Minuten und dann habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich daran denke, mal wieder ein Buch zu lesen, das nichts mit der Uni zu tun hat, oder weil ich mal wieder was malen möchte.
Aber dieses ständige genügen wollen hat mich mittlerweile so sehr durchdrungen, dass ich nichts mehr machen kann, ohne gleich tausend Gründe zu finden, warum das jetzt wieder Mist ist, warum es jeder andere Mensch um Längen besser machen könnte.
Bei einem Einstellungsgespräch wäre meine persönliche Killerfrage "Warum gerade Sie?". - "Das frage ich mich auch..." wäre meine Antwort und die sichere Fahrkarte nach draußen.
Ich sollte wohl einfach mal einen Kurs besuchen: "Leben für Anfänger". Wobei ich selbst da wahrscheinlich nach kürzester Zeit rausfliegen würde, weil ich jedes noch so gute Argument, warum das Leben schön und auch gar nicht so schwer ist, widerlegen könnte. Ich wüsste - weiß immer ein Aber.
Um auf den Titel dieses Eintrags zurück zu kommen: vielleicht habe ich mich von mir selbst schon zu weit entfernt. Es gibt mich und mich. Mich und die andere. Aber wer ist die andere? Und wer bin ich? Fragte mich jemand, wer ich bin, könnte ich Name, Adresse, Geburtstag und den ganzen Kram angeben. Aber nicht wer ich bin.
Es liest sich furchtbar esoterisch, aber ich glaube, wenn ich wirklich weitermachen will, muss ich mich auf die Suche nach mir selbst machen. Ich muss mich wieder finden. Sonst habe ich keine Chance.

Mittwoch, 28. November 2007

Zum Achtzigsten

Ich habe keine Ahnung, ob es gut ist, wenn ich im jetzigen Zustand was schreibe. Die Gefahr ist groß, dass es sich zu extrem anhört...
Es ist mal wieder so weit.
Das große D ist wieder da und hat mich ziemlich fest im Griff. Und wie so oft, habe ich nicht mal großes Interesse daran, mich dagegen zu wehren. Ich lasse es über mich ergehen und warte ab, wie tief es diesmal wohl werden wird.
Alles rauscht an mir vorbei, als säße ich in einem Zug mit unbekanntem Ziel. Richtig. Keine Ahnung, wohin es mich führt, was mich da an die Hand genommen hat und mit mir losmarschiert ist. Aber es hält mich fest und zieht mich immer weiter. Es muss nicht mal große Kraft aufbringen. Ich lasse es einfach geschehen. Ich habe keine Angst. Nicht mehr. Am Anfang hatte ich die noch, aber jetzt ist sie weg. Die Gleichgültigkeit hat ihren Platz eingenommen und es sich gemütlich gemacht.
Schon komisch, wenn man in einem Seminar sitzt und einen Abschiedsbrief schreibt, während der Rest um einen herum über Emilia Galotti und die Angemessenheit ihres Selbstmordes diskutiert.
Vor allem, wenn man weiß, dass man den Brief nicht brauchen wird. Man schreibt und ist sich darüber im Klaren, dass man sich eigentlich nur selbst an der Nase herum führt. Man schreibt Erklärungen für eine Sache auf, die man sowieso nicht tun wird. Aber irgendwie tut das Schreiben gut. Und die Vorstellung, dass die Adressaten die Erläuterungen eventuell sogar ein bisschen verstehen könnten.
Man geht durch die Stadt und hofft innerlich, dass sich plötzlich alle von einem abwenden. Familie, Freunde, Bekannte. Alle. Damit man nicht mehr in der Pflicht steht, zu bleiben. Eine ziemlich verzwickte Angelegenheit. Einerseits ist man der festen Überzeugung, dass es niemandem etwas ausmachen würde, wäre man nicht mehr am Leben, weil man einfach niemandem etwas bedeuten kann, weil man so ein abstoßender, widerwärtiger, nerviger und zu dem auch noch unterbelichteter Mensch ist.
Und andererseits bleibt man nur, weil man das Gefühl hat, dass es zumindest der Familie sehr wehtun würde, wenn man das, worüber man neunzig Prozent seiner Zeit nachdenkt, täte.
Dann taucht wieder der Gedanke auf, dass man den Leuten, die einen – aus welchen Gründen auch immer – zu mögen scheinen, ja gar nichts zurückgeben kann, weil man völlig unfähig ist, das bisschen, was man an Gefühlen vielleicht noch wahrnimmt, zu reflektieren und zu erwidern. Man ist wieder der Ansicht, dass man wie ein schwarzes Loch alle um sich herum verschlingt. Ergo: Lieber keine Kontakte knüpfen, weil es für das Gegenüber nur wieder im Chaos endete.
Stellte einem einer die Frage: Willst Du morgen wieder aufwachen? – Man würde (zumindest ein wenig) lügen, beantwortete man die Frage mit Ja.
Der Wunsch, dass es endlich aufhört, dass man ein Mal wieder glücklich ist, der ist so groß, dass er mir schon zu groß für mich vorkommt. Einen solchen Wunsch darf jemand wie ich nicht haben.
Im besagten Seminar wurde mir klar: ich hab es überhaupt nicht verdient, an der Uni zu sein. Weil mir (speziell in diesem Kurs) alles sonst wo vorbei geht. Es ist mir so unglaublich egal, worüber geredet wird.
Der gesamte Antrieb, den ich wohl mal hatte, ist weg. Alles ist nur noch mühsam, anstrengend und scheint immer mit unwahrscheinlichem Aufwand verbunden zu sein. Alles ist zu viel.
Wenn man die Zeit anhalten könnte, um sich zu regenerieren. Aber das geht nicht. Die Welt um einen herum dreht sich weiter und wird wegen mir nicht stehen bleiben. Wer bin ich denn…
Und so setze ich jedes Mal erneut meine Maske auf und spiele mein Soloprogramm.
Nein, ich habe nicht aufgehört, Theater zu spielen, als ich die Schule verlassen habe. Ich spiele mein Leben lang. Die perfekte Rolle. Meine Rolle des Lebens.
Also habe ich es doch geschafft: Ich bin Schauspielerin.

http://www.youtube.com/watch?v=LK8H7Qn3ifA

Dienstag, 27. November 2007

stabat mater

Hier der Link zu einem Stück, das uns neulich in der Vorlesung "Literatur und Musik" vorgespielt wurde.
http://www.youtube.com/watch?v=3UK5O4Rxg9A

Obwohl ich ja eigentlich nichts mit "religiöser" Musik anfangen kann, hat mich dieses Stück doch sehr berührt.
Der gesungene Text ist natürlich lateinisch, aber gütig wie ich bin, habe ich die Übersetzung rausgesucht, die nun folgt:

Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Durch die Seele voller Trauer, seufzend unter Todesschauer, jetzt das Schwert des Leidens ging
Welch ein Weh (Schmerz) der Auserkor'nen, da sie sah den Eingebor'nen, wie er mit dem Tode rang.
Angst und Trauer, Qual und Bangen, alles Leid hielt sie umfangen, dass nur je ein Herz durchdrang.
Ist ein Mensch auf aller Erden der nicht muss erweichet (erschüttert) werden wenn er Mutter Christi denkt?
Wer könnt' ohne Tränen sehen, Christi Mutter also stehen in so tiefen Jammers Not?
Wie sie ganz von Weh zerschlagen, bleich da steht, ohn' alles Klagen, nur ins Leid des Sohns versenkt?
Wer nicht mit der Mutter weinen, seinen Schmerz mit ihrem einen, leidend bei des Sohnes Tod?
Ach, für seiner Brüder Schulden sah sie Jesus Marter dulden, Geisseln, Dornen, Spott und Hohn. Sie sah trostlos und verlassen ihn am blut'gen Kreuz erblassen, ihren lieben, einz'gen Sohn.
Sah ihn trostlos und verlassen an dem blut'gen Kreuz erblassen, ihren lieben, einz'gen Sohn. O du Mutter, Brunn der Liebe, mich erfüll mit gleichem Triebe, dass ich fühl die Schmerzen dein.
Gib, o Mutter, Born der Liebe, dass ich mich mit dir betrübe, dass ich fühl die Schmerzen dein.
Dass mein Herz, im Leid entzündet, sich mit deiner Lieb verbindet, um zu lieben Gott allein.
Dass mein Herz von Lieb' entbrenne, dass ich nur noch Jesu kenne, dass ich liebe Gott allein. Drücke deines Sohnes Wunden, so wie du sie selbst empfunden, heil'ge Mutter in mein Herz
Heil'ge Mutter, drück die Wunden die dein Sohn am Kreuz empfunden, tief in meine Seele ein. Dass ich weiss, was ich verschuldet, was dein Sohn für mich erduldet, gib mit Teil an seinem Schmerz
Ach, das Blut das Er vergossen, ist für mich dahingeflossen; lass mich teilen Seine Pein.
Lass mich wahrhaft mit dir weinen, mich mit Christi Leid vereinen, solang mir das Leben währt.
Lass mit dir mich herzlich weinen, ganz mit Jesu Leid vereinen, solang hier mein Leben währt. An dem Kreuz mit dir zu stehen, unverwandt hinaufzusehen, ist's wonach mein Herz begehrt.
Unterm Kreuz mit dir zu stehen, dort zu teilen deine Wehen, ist es was mein Herz begehrt.
O du Jungfrau der Jungfrauen, woll auf mich in Liebe schauen, dass ich teile deinen Schmerz.
O du Jungfrau der Jungfrauen, woll'st in Gnaden mich anschauen, lass mich teilen deinen Schmerz. Dass ich Christi Tod und Leiden, Marter, Angst und bittres Scheiden fühle wie dein Mutterherz.
Lass mich Christi Tod und Leiden, Marter, Angst und bittres Scheiden fühlen wie dein Mutterherz. Alle Wunden, ihm geschlagen, Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen, das sei fortan mein Gewinn
Lass mich tragen Seine Peinen, mich mit Ihm an Kreuz vereinen, trunken sein von Seinen Blut
Mach, am Kreuze hingesunken, mich von Christi Blute trunken und von seinen Wunden wund. Dass mein Herz, von Lieb entzündet, Gnade im Gerichte findet, sei du meine Schützerin
Dass nicht zu der ew'gen Flamme der Gerichtstag mich verdamme, steh, o Jungfrau für mich gut
Da nicht zu der ew'gen Flamme der Gerichtstag mich verdamme, sprech für mich dein reiner Mund.
Mach, dass mich sein Kreuz bewache, dass sein Tod mich selig mache, mich erwärm sein Gnadenlicht
Christus, um der Mutter leiden, gib mir einst des Sieges Freuden, nach des Erdenlebes Streit Lass die Seele sich erheben frei zu Gott im ewgen Leben, wann mein sterbend Auge bricht. Amen
Jesus, wann mein Leib wird sterben, lass dann meine Seele erben deines Himmels Seligkeit. Amen.

Montag, 26. November 2007

Von klingenden Rohren, Schneegestöber und der Macht des Zufalls

Eine kleine Bühne deren Rückwand mit zwei schwarzen Vorhängen abgehängt ist.
Vier schwarze Notenständer stehen in einem leichten Halbkreis.
Neben einem steht ein einmal nur leicht und ein Mal stark gebogenes, golden lackiertes Rohr, dessen eines Ende mit einer schwarzen Plastikkappe abgedeckt ist und dessen anderes Ende die Form eines Trichters hat. An seinem Hals entlang sind Klappen und Ventile angebracht.
Ganz klar, es handelt sich um ein Saxophon.
Unschuldig und stumm steht es da auf der Bühne und präsentiert sich wie selbstverständlich, aber doch ein wenig schüchtern der wartenden Menge.
Als es dann endlich sanft in die Hände des Musikers genommen wird, zeigt es schließlich, dass es kein bisschen unschuldig oder gar schüchtern ist.
Es bricht hervor, dann schleicht es sich wieder zurück, bleibt in Lauerstellung und schließlich taucht es den gesamten Raum in eine Stimmung, die alle dazu bringt, dass sie mit den Füßen wippen, mit den Fingern auf dem Tisch trommeln oder den Kopf hin und her bewegen.
Vor uns steht ein Saxophon-Quartett mit dem vielsagenden Namen "Saxomania".
Ein wunderbarer Abend beginnt.
Und als er zu Ende ist, bin ich mal wieder davon überzeugt worden, dass ich schleunigst dafür sorgen muss, ein Saxophon mein Eigen nennen zu können.
Es scheint mir neben dem Klavier das einzige Instrument zu sein, das meinem Innersten Ausdruck verleihen könnte.
Ein großes Nahziel lautet also:
Saxophon-Unterricht mit dem eigenen Instrument!

Auch heute Morgen hatte ich diesen Wunsch und habe ihn noch.
Selbst als ich mich mit dem Fahrrad durch ein wildes Schneetreiben kämpfte und Richtung "Berch" fuhr, ging mir der Gedanke an den warmen Klang und das schrillende Lachen eines Sax´s nicht mehr aus dem Sinn.
Schnee. Es scheint nun tatsächlich auf die Möglichkeit hinaus zu laufen, dass es an Weihnachten auf den Straßen und Wegen sehr leise sein wird, weil der Schnee jeden Laut verschluckt.
Ein schöne Vorstellung...weiße Weihnacht...

Ich war also mit dem Rad unterwegs.
Vielleicht hätte ich das lassen sollen.
Denn wie es der Zufall so will, kann ich mein Rad in der nächsten Zeit erst mal stehen lassen.
Nichts ahnend radle ich also vom "Berch" zurück und merke auf einmal, wie jede kleine Unebenheit der Straße an meinen Lenker weitergegeben wird. Das ist nicht normal, denn eigentlich werden die Stöße ja von den Reifen ein wenig reduziert, schließlich ist ja Luft im Schlauch - gewesen.
Tatsächlich. Gewesen ist das richtige Wort. Denn als ich absteige, um zu prüfen, was für diesen nicht gerade angenehmen Umstand verantwortlich ist, bemerke ich, dass ein kleiner Reißnagel im Vorderrad steckt.
Ganz toll.
Wieviele Reißnägel liegen wohl auf der Strecke, die ich gefahren bin?
Höchstens zwei. Wenn nicht gar bloß einer.
Und wer erwischt den?
War ja klar...
Den Rest des Weges durfte ich also mein Rad neben mir schieben. Und den Rest der Woche werde ich zu Fuß bewältigen müssen.
Nun ja. Vielleicht gar nicht mal so schlecht, denn wenn ich bedenke was mir letztes Jahr um diese Zeit mit dem Rad bei Schneefall passiert ist...
Also gut.
Diese Woche noch, dann ist erst mal Heimaturlaub angesagt. Ein 15. Geburtstag steht an und damit auch Kaffee und Kuchen im Kreis der Familie.
Auch mal wieder schön...

Mittwoch, 21. November 2007

Vom zerbrochenen Schlüssel und dem Zwang zu denken

Neutral gelaunt kommt man die Treppe herunter, tritt vor das Haus, greift in die Jackentasche und nimmt den Schlüsselbund heraus. Nach kurzem Suchen findet man endlich den kleinen Fahrradschlüssel. Wie gewohnt führt man ihn ins Schloss und dreht ihn herum. – Nein, man versucht ihn zu drehen. Aber es funktioniert nicht, es kommt nicht die kleinste Bewegung zustande.
Einen Versuch gibt man sich noch, sollte der nicht zum Erfolg führen, wird man eben zur Uni laufen.
Ein letzter Anlauf wird gestartet. – Kurz knackt es und schon wurde einem die Entscheidung abgenommen, wie man zur Vorlesung kommt.
Der Schlüssel ist abgebrochen.
Dieses Erlebnis führte dazu, dass ich heute Morgen einen halbstündigen Spaziergang durch Erlangen gemacht habe, ständig in der Angst, zu spät zu kommen.
Gut, dass ich den mp3-Player dabei hatte, so läuft es sich gleich leichter.
Ich kam übrigens pünktlich in den Vorlesungsraum und war nicht mal die Letzte.
Dann saß ich neunzig Minuten da und – dachte.
Ich dachte darüber nach, warum ich ständig über alles und jeden nachdenke. Es ist schon ein regelrechter Zwang, der mich immer wieder dazu bringt, dass ich ein Gedankenkarussell anschiebe, das sich damit beschäftigt, warum man eigentlich sein Leben so gestaltet, wie man es gestaltet.
Weshalb erfindet die Menschheit immer wieder Beschäftigungen, die einen durch die Zeit, die man lebt, begleiten? Wo ist der Sinn des ganzen? Warum kann man seine Zeit nicht mit etwas verbringen, das einem selbst etwas gibt? Weshalb tun wir so oft Dinge, die wir gar nicht tun wollen, nur weil es von uns erwartet wird?
Wer erwartet das denn?
Die oft genannte „Gesellschaft“? Wer ist das? Wenn ich über die Menschen heute nachdenke, dann sind 95% davon Leute, denen ich gar nichts recht machen will, deren Erwartungen ich gar nicht erfüllen möchte.
Sicher, gewisse Regeln muss es geben, an die man sich hält, damit das Zusammenleben einigermaßen gut läuft. – Aber schauen wir uns doch mal um! Wer hält sich denn noch an wirklich wichtige Grundregeln? Das tut doch niemand mehr!
Wir haben uns Schritt für Schritt einsamer gemacht. – Was eigentlich gegen die menschliche Natur geht, denn rational betrachtet, ist der Mensch ein Rudeltier. Mit komplizierten Sozialstrukturen, die sich über viele tausend Jahre Evolution entwickelt haben.
Aber ich habe den Eindruck, dass viele der heute lebenden Menschen gar nicht mehr im Verband leben können.
Langsam merke ich es an mir selbst, der Mensch muss sich immer stärker anstrengen, um seine Kontakte zu pflegen und sich ein Netz zu schaffen, das ihn wirklich auffängt, wenn er mal fallen sollte.
Der Mensch – ich sage lieber ich, sonst heißt es, ich verallgemeinere – also: ich bin ein Einzelgänger geworden.
Ich habe verlernt sozial zu sein.
Ein wenig komme ich mir vor wie Rilkes Panther, nur dass ich in mir selbst gefangen bin. Für alle anderen ein trauriger, erschütternder Anblick, ein Schatten von dem, was ich vor vier oder fünf Jahren war. Menschlich verkümmert.
Manch einer wird wahnsinnig, schreit seine Traurigkeit, seine Trübsal heraus. Ich hingegen werde still, schreie in mich hinein und suche alle vor mir zu bewaren.
Kein Ventil, das ich einmal hatte, ist mehr genug. Der Druck ist zu groß und kulminiert immer wieder in dem einen Wunsch, dem unsagbaren Wunsch.
Denn niemand will, dass man darüber redet. Man dürfe an diesen Ausweg nicht einmal denken, wird oft gesagt. Was aber, wenn man nur noch diesen Gedanken hat? Wenn am Ende jeder Überlegung diese eine Lösung steht?

Mittwoch, 14. November 2007

Gedanken zum Winteranfang

Endlich ist es so weit. Der erste Schnee war da.
Und damit eine Frage, die mich seit dem beschäftigt:
Wie hört es sich eigentlich an, wenn eine Schneeflocke landet?
Ist es mehr ein Knacken oder ein Tippen? Knirscht es ein wenig oder knallt es sogar?
Was könnte sie von ihrer Reise erzählen? Hat sie etwa gesehen wo das Christkind wohnt?
Ja ja, Weihnachten, das Fest der Liebe und der unausgesprochenen Verwünschungen rückt immer näher. - Gut, wenn man sich am Handel orientierte, stünde bereits jetzt der bunt geschmückte Plastikbaum mit farbig leuchtender Lichterkette im überdekorierten Wohnzimmer, und spätestens seit Ende Oktober hätten wir unseren Heißhunger auf Lebkuchen schon längst gestillt.
Meine Idee von neulich hat übrigens schon Abnehmer gefunden: Es gibt einen Milka-Weihnachtshasen (!).
Und die schönen Fondant-Spiegeleier gibt es passend zum Fest in Sternform.
Aber all das bestärkt mich, tapfer weiter auf den ersten Advent zu warten und just an diesem Tag genüsslich in meinen ersten Lebkuchen zu beißen.
Und von Plastikbäumen kann schon mal gar nicht die Rede sein. Bei uns wird es traditionell einen echten Baum aus einem echten Wald geben, der dann auch echt nadelt...Natürlich ohne Lichterkette, sondern mit original Bienenwachskerzen. Das war noch nie anders und das wird auch so bleiben! Es wäre doch kein Heiligabend, wenn das Wohnzimmer nicht nacht Tanne duftete und vom flackernden Licht der Kerzen in eine sanfte, schummrige Stimmung getaucht wäre.
Sollte es widererwarten doch anders kommen, trete ich in den Streik!

Und weil wir grad bei Liebe waren, hier noch ein (zugegeben) kitschiges Gedicht aus der privaten Manufaktur:

Zeig Dich mir, Liebe!
Enthülle Dein Gesicht!
Nenn mir Deinen Namen und
sage mir den Ort, da ich dich finde!
Lehre mich Deine Regeln,
erkläre mir
Dein Spiel
und
mache es zu meinem!
Kein Meister will ich sein,
nicht mit Dir messen
will ich mich.
Nicht gleiche Waffen schenke mir,
nein, Einblick nur
in Deine Kunst.
Deinen Zauber verrate mir,
lass mich ein Mal nur
von deiner herben Süße
kosten!

So viel für heute. Jetz gibt´s erst mal Mittagessen und danach: Emilia Galotti - schon wieder...

Freitag, 9. November 2007

Bin ich versaut oder nur mein Humor - oder wir beide?

Freitag, 8.30 Uhr.
Der Französisch-Kurs beginnt mit den üblichen kleinen Sätzen, die wir alle ganz stolz und wahrscheinlich mehr oder weniger stümperhaft aussprechen:
Je m'appelle... Je suis allemande. Je etudé l'histoire...Comment allez vu? - Bien, merci.
Aber die heutige Stunde soll noch eine kleine Überraschung für mich bringen.
Eigentlich läuft alles ganz normal, bis eine geschätze viertel Stunde vor Schluss die Erklärung kommt, dass Substantive, die auf -el(l) enden, wenn sie im Singular stehen, im Plural auf -eaux enden.
Es folgten ein paar Beispiele und die Frage, ob wir auch derartige Wortpaare aus dem Französischen kennen.
Und was fällt mir ein?

Bordell - Bordeaux

Ich muss zugeben, dass ich mich ganz schön zusammen reißen musste, um mich nicht zu melden und diesen (wie ich finde) megamäßigen Kracher dem Rest des Kurses mitzuteilen.
Innerlich habe ich mich so dermaßen beömmelt, dass es schon nicht mehr feierlich war.
Zudem muss man wissen, dass unsere Dozentin am Beginn der Stunde mit stolzgeschwällter Brust verkündete, dass sie aus Bordeaux kommt, eine "echte bordelaise" (O-Ton!) ist.
Es war also ein traumhafter Start in den Tag!

Allerdings mache ich mir nun Gedanken, ob in meinem Hirn ein paar Synapsen falsch geschaltet sind. Schließlich fällt es mir alles andere als schwer, zweideutige Verknüpfungen mit scheinbar alltäglichen Begriffen zu finden.
Was würde Freud dazu sagen?

Dienstag, 6. November 2007

Linguistik-Filmchen

Wie geil ist das denn?
Heute ist anscheinend ein außergewöhnlicher Tag.
Dienstag, 7.39 Uhr. Ich blinzle auf meinen Wecker und bin der Meinung, dass es nun doch langsam Zeit ist, aufzustehen, schließlich beginnt um 8.15 Uhr der Grundkurs.
Ich schaffe es tatsächlich rechtzeitig und habe vorher sogar noch die Möglichkeit, etwas zu frühstücken. Sehr ungewöhnlich.
Was auch neu ist: Ich fühle mich einigermaßen wach und muss nicht darum kämpfen, wach zu bleiben.
Dazu kommt, dass es ziemlich interessant ist, was die gute Frau da erzählt. Und vor allem lustig!
Beispiel:
Sie sagt sinngemäß, dass die Spur eines Tieres im Schnee ja nicht das komplette Tier abbildet - und schon bin ich kurz davor, vor Lachen zu platzen, weil ich vor meinem inneren Auge plötzlich Rehe, Füchse und Braunbären sehe, die nicht auf ihren Pfoten bzw. Hufen unterwegs sind, sondern die immer wieder von einer Seite auf die andere klappen und sich so fortbewegen. Ein herrliches Bild! Und das morgens um neun.
Dann geh ich in den Computerraum und lese im Studivz ein paar nette Mails von Leuten, die sich bei mir bedanken, weil ich ihnen gestern noch schnell ne Nachricht geschickt habe, dass die Übung ausfällt. - Schön.
Jetzt muss ich nur noch das Proseminar Claudius & Nero überstehen, denn mein Hirn scheint heute Nacht eine kleine Party gefeiert zu haben. Leider ohne mich. Dem entsprechend fühlt sich mein Kopf an. Aber das wird schon wieder werden.
Schließlich gibt es zum Abschluss des Tages wieder unser WG-Essen, bei dem wir gemeinsam im Wohnzimmer hocken, über CSI Miami ablästern und danach andächtig Dr. House lauschen. Eigentlich kann ich wirklich nicht meckern.
Guuut, ich habe noch immer kein Thema für die PS-Arbeit in NDL und meine PS-Arbeit in Alter Geschichte will auch nicht so recht voran gehen, aber das klappt auch irgendwann und dann sieht die Welt wieder besser aus.
Jetzt werd ich noch mal kurz bei youtube.com vorbei schauen und mich dann auf den Weg in die Kochstraße machen.
Mittagessen fällt aus.

Erkenntnis des (bisherigen) Tages: Unsere Welt ist voller Zeichen!

Montag, 5. November 2007

Wie ich die Wirtschaft ankurbele

Man sagt ja, dass man manche Dinge erst zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat oder man sie nach langer Zeit wieder hat.
Bei einer Sache allerdings, kann ich nicht sagen, dass ich mich freue, dass es wieder so weit ist.
Schnupfen.
An meinen letzten kann ich mich gar nicht erinnern, ist also schon etwas länger her. Aber jetzt hat er mich wieder erwischt und ich bin kein bisschen amused. Denn wer freut sich schon, wenn er nachts immer wieder aufwacht, weil die Gefahr zu ersticken einen aus dem Schlaf reißt. Oder wenn man das Gefühl hat, dass der Kopf in einem Schraubstock klemmt und irgendwer ständig daran dreht. Nein, das ist wirklich nichts Angenehmes.
Andererseits kann ich mir jetzt ein Schild umhängen mit der Aufschrift: Konjunkturspritze. Denn in den letzten zweieinhalb Tagen habe ich so viele Taschentücher verbraucht, wie im ganzen letzten halben Jahr nicht. Wenn also die „Faceletto“-Industrie einen unerwarteten boom erlebt, dann liegt das an mir und meiner Marathon laufenden Nase.
Wirtschaftlich gesehen sind wir ein echtes Dreamteam.
Ein Nachteil ist allerdings nicht zu verleugnen: mein Geschmackssinn hat sich verabschiedet. Mir würden im Moment wahrscheinlich auch Dinge schmecken, um die ich sonst einen großen Bogen mache. Für einen Genießer wie mich ist das natürlich eine nicht gerade eine schöne Situation.
Aber was will man machen.
Mit Medikamenten geh ich jedenfalls nicht dagegen vor. Mir hat der Versuch mit dem Kindernasenspray schon gereicht. Ich dachte wirklich, dass es mir die Nase wegätzt. Glücklicherweise war dem nicht so.

Es gibt immer wieder Momente, die mich kurz innehalten lassen.
Als ich vorhin in der Mittelaltervorlesung saß und kurz vorm Verzweifeln war, ob der Sprechgeschwindigkeit des Dozenten, fing mein Handy an zu vibrieren.
Ein Anruf einer Person mit mir und meinem Handy unbekannter Nummer. Ich drückte auf „besetzt“ und wartete bis zur Pause. Da las ich dann, dass meine Mailbox eine Nachricht für mich bereithält. Ich rufe also an und warte voller Spannung.
Es ist mein Dozent der Kelten-Übung. Er hat nur angerufen, um mir zu sagen, dass die Übung heute Abend nicht stattfindet. Er hofft, dass es, weil so kurzfristig, noch nicht zu spät ist und ich die Mitteilung rechtzeitig bekomme.
Wow.
Ich war einen Moment lang ziemlich baff. Danach fand ich es einfach nur noch unglaublich nett von ihm, dass er seinen Leuten so gut es geht Bescheid gibt, wenn eine Sitzung mal ausfällt.
Es gibt also doch noch nette Menschen.

Nicht, dass ich noch keine kennen gelernt hätte, aber die lassen sich an zwei Händen abzählen, sind damit eher rar.
Was mache ich nun mit dem angebrochenen Abend?
Gut, ich habe einer Mitbewohnerin versprochen, mit ihr die Horror-Serie zu kucken. Das steht fest.
Und vorher?
Vielleicht werde ich das Theaterstück lesen, dass als Hausaufgabe für diese Woche auf dem Plan steht. Catharina von Georgien. Gryphius. Mal sehen, ob es da auch so tolle „Zeichen“ gibt, die man stundenlang zerreden kann, wie zuletzt bei Aristophanes und dem Mantel und der brennenden Denkerbude des Sokrates…
Ich bin gespannt. (Das war eine ironisch gemeinte Äußerung! Meine Spannung ist vergleichbar mit der Vorfreude auf eine Wurzelbehandlung oder eine Mathematikabfrage an der Tafel…)

Wahrscheinlich werde ich doch wieder der Musik frönen. Schließlich muss ich die Gelegenheit nutzen, dass meine Stimme wegen des Schnupfens angenehmer als sonst klingt. Warum kann das nicht so bleiben und der Schnupfen verschwinden? – Nun ja, man kann nicht alles haben…
Eventuell lese ich noch in der Nero-Biografie weiter, die wirklich amüsante Details über den Kaiser eröffnet. Zum Beispiel ist ja vielen bekannt, dass er den schönen Künsten und damit auch der Schauspielerei zugeneigt war. Den ersten Kracher brachte er, als er bei seinem ersten Auftritt was spielte? – Genau, eine Frau. Bei weiteren Auftritten folgten eine in den Wehen liegende Schwangere, der rasende Herkules, den er so überzeugend gespielt haben soll, dass ein Mann seiner Leibgarde ihm zu Hilfe eilen wollte, als man den Herkules in Ketten legte, weil er dachte, es sei ein Angriff auf den Kaiser, und den Vogel schoss er ab, als er Orestes den Muttermörder zum Besten gab. Wie passend.
Ja, er war wirklich ein wenig geltungssüchtig.
Wobei ich mir sicher bin, dass es auch heute noch für ziemliche Unruhen sorgen würde, wenn Frau Merkel auf einmal im Münchner Staatstheater als einer der Physiker Dürrenmatts auftreten würde. Nicht auszudenken…
(…aber lustig vorzustellen..)