Ich habe keine Ahnung, ob es gut ist, wenn ich im jetzigen Zustand was schreibe. Die Gefahr ist groß, dass es sich zu extrem anhört...
Es ist mal wieder so weit.
Das große D ist wieder da und hat mich ziemlich fest im Griff. Und wie so oft, habe ich nicht mal großes Interesse daran, mich dagegen zu wehren. Ich lasse es über mich ergehen und warte ab, wie tief es diesmal wohl werden wird.
Alles rauscht an mir vorbei, als säße ich in einem Zug mit unbekanntem Ziel. Richtig. Keine Ahnung, wohin es mich führt, was mich da an die Hand genommen hat und mit mir losmarschiert ist. Aber es hält mich fest und zieht mich immer weiter. Es muss nicht mal große Kraft aufbringen. Ich lasse es einfach geschehen. Ich habe keine Angst. Nicht mehr. Am Anfang hatte ich die noch, aber jetzt ist sie weg. Die Gleichgültigkeit hat ihren Platz eingenommen und es sich gemütlich gemacht.
Schon komisch, wenn man in einem Seminar sitzt und einen Abschiedsbrief schreibt, während der Rest um einen herum über Emilia Galotti und die Angemessenheit ihres Selbstmordes diskutiert.
Vor allem, wenn man weiß, dass man den Brief nicht brauchen wird. Man schreibt und ist sich darüber im Klaren, dass man sich eigentlich nur selbst an der Nase herum führt. Man schreibt Erklärungen für eine Sache auf, die man sowieso nicht tun wird. Aber irgendwie tut das Schreiben gut. Und die Vorstellung, dass die Adressaten die Erläuterungen eventuell sogar ein bisschen verstehen könnten.
Man geht durch die Stadt und hofft innerlich, dass sich plötzlich alle von einem abwenden. Familie, Freunde, Bekannte. Alle. Damit man nicht mehr in der Pflicht steht, zu bleiben. Eine ziemlich verzwickte Angelegenheit. Einerseits ist man der festen Überzeugung, dass es niemandem etwas ausmachen würde, wäre man nicht mehr am Leben, weil man einfach niemandem etwas bedeuten kann, weil man so ein abstoßender, widerwärtiger, nerviger und zu dem auch noch unterbelichteter Mensch ist.
Und andererseits bleibt man nur, weil man das Gefühl hat, dass es zumindest der Familie sehr wehtun würde, wenn man das, worüber man neunzig Prozent seiner Zeit nachdenkt, täte.
Dann taucht wieder der Gedanke auf, dass man den Leuten, die einen – aus welchen Gründen auch immer – zu mögen scheinen, ja gar nichts zurückgeben kann, weil man völlig unfähig ist, das bisschen, was man an Gefühlen vielleicht noch wahrnimmt, zu reflektieren und zu erwidern. Man ist wieder der Ansicht, dass man wie ein schwarzes Loch alle um sich herum verschlingt. Ergo: Lieber keine Kontakte knüpfen, weil es für das Gegenüber nur wieder im Chaos endete.
Stellte einem einer die Frage: Willst Du morgen wieder aufwachen? – Man würde (zumindest ein wenig) lügen, beantwortete man die Frage mit Ja.
Der Wunsch, dass es endlich aufhört, dass man ein Mal wieder glücklich ist, der ist so groß, dass er mir schon zu groß für mich vorkommt. Einen solchen Wunsch darf jemand wie ich nicht haben.
Im besagten Seminar wurde mir klar: ich hab es überhaupt nicht verdient, an der Uni zu sein. Weil mir (speziell in diesem Kurs) alles sonst wo vorbei geht. Es ist mir so unglaublich egal, worüber geredet wird.
Der gesamte Antrieb, den ich wohl mal hatte, ist weg. Alles ist nur noch mühsam, anstrengend und scheint immer mit unwahrscheinlichem Aufwand verbunden zu sein. Alles ist zu viel.
Wenn man die Zeit anhalten könnte, um sich zu regenerieren. Aber das geht nicht. Die Welt um einen herum dreht sich weiter und wird wegen mir nicht stehen bleiben. Wer bin ich denn…
Und so setze ich jedes Mal erneut meine Maske auf und spiele mein Soloprogramm.
Nein, ich habe nicht aufgehört, Theater zu spielen, als ich die Schule verlassen habe. Ich spiele mein Leben lang. Die perfekte Rolle. Meine Rolle des Lebens.
Also habe ich es doch geschafft: Ich bin Schauspielerin.
Mittwoch, 28. November 2007
Zum Achtzigsten
Dienstag, 27. November 2007
stabat mater
http://www.youtube.com/watch?v=3UK5O4Rxg9A
Obwohl ich ja eigentlich nichts mit "religiöser" Musik anfangen kann, hat mich dieses Stück doch sehr berührt.
Der gesungene Text ist natürlich lateinisch, aber gütig wie ich bin, habe ich die Übersetzung rausgesucht, die nun folgt:
Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen, als ihr lieber Sohn da hing. Durch die Seele voller Trauer, seufzend unter Todesschauer, jetzt das Schwert des Leidens ging
Welch ein Weh (Schmerz) der Auserkor'nen, da sie sah den Eingebor'nen, wie er mit dem Tode rang.
Angst und Trauer, Qual und Bangen, alles Leid hielt sie umfangen, dass nur je ein Herz durchdrang.
Ist ein Mensch auf aller Erden der nicht muss erweichet (erschüttert) werden wenn er Mutter Christi denkt?
Wer könnt' ohne Tränen sehen, Christi Mutter also stehen in so tiefen Jammers Not?
Wie sie ganz von Weh zerschlagen, bleich da steht, ohn' alles Klagen, nur ins Leid des Sohns versenkt?
Wer nicht mit der Mutter weinen, seinen Schmerz mit ihrem einen, leidend bei des Sohnes Tod?
Ach, für seiner Brüder Schulden sah sie Jesus Marter dulden, Geisseln, Dornen, Spott und Hohn. Sie sah trostlos und verlassen ihn am blut'gen Kreuz erblassen, ihren lieben, einz'gen Sohn.
Sah ihn trostlos und verlassen an dem blut'gen Kreuz erblassen, ihren lieben, einz'gen Sohn. O du Mutter, Brunn der Liebe, mich erfüll mit gleichem Triebe, dass ich fühl die Schmerzen dein.
Gib, o Mutter, Born der Liebe, dass ich mich mit dir betrübe, dass ich fühl die Schmerzen dein.
Dass mein Herz, im Leid entzündet, sich mit deiner Lieb verbindet, um zu lieben Gott allein.
Dass mein Herz von Lieb' entbrenne, dass ich nur noch Jesu kenne, dass ich liebe Gott allein. Drücke deines Sohnes Wunden, so wie du sie selbst empfunden, heil'ge Mutter in mein Herz
Heil'ge Mutter, drück die Wunden die dein Sohn am Kreuz empfunden, tief in meine Seele ein. Dass ich weiss, was ich verschuldet, was dein Sohn für mich erduldet, gib mit Teil an seinem Schmerz
Ach, das Blut das Er vergossen, ist für mich dahingeflossen; lass mich teilen Seine Pein.
Lass mich wahrhaft mit dir weinen, mich mit Christi Leid vereinen, solang mir das Leben währt.
Lass mit dir mich herzlich weinen, ganz mit Jesu Leid vereinen, solang hier mein Leben währt. An dem Kreuz mit dir zu stehen, unverwandt hinaufzusehen, ist's wonach mein Herz begehrt.
Unterm Kreuz mit dir zu stehen, dort zu teilen deine Wehen, ist es was mein Herz begehrt.
O du Jungfrau der Jungfrauen, woll auf mich in Liebe schauen, dass ich teile deinen Schmerz.
O du Jungfrau der Jungfrauen, woll'st in Gnaden mich anschauen, lass mich teilen deinen Schmerz. Dass ich Christi Tod und Leiden, Marter, Angst und bittres Scheiden fühle wie dein Mutterherz.
Lass mich Christi Tod und Leiden, Marter, Angst und bittres Scheiden fühlen wie dein Mutterherz. Alle Wunden, ihm geschlagen, Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen, das sei fortan mein Gewinn
Lass mich tragen Seine Peinen, mich mit Ihm an Kreuz vereinen, trunken sein von Seinen Blut
Mach, am Kreuze hingesunken, mich von Christi Blute trunken und von seinen Wunden wund. Dass mein Herz, von Lieb entzündet, Gnade im Gerichte findet, sei du meine Schützerin
Dass nicht zu der ew'gen Flamme der Gerichtstag mich verdamme, steh, o Jungfrau für mich gut
Da nicht zu der ew'gen Flamme der Gerichtstag mich verdamme, sprech für mich dein reiner Mund.
Mach, dass mich sein Kreuz bewache, dass sein Tod mich selig mache, mich erwärm sein Gnadenlicht
Christus, um der Mutter leiden, gib mir einst des Sieges Freuden, nach des Erdenlebes Streit Lass die Seele sich erheben frei zu Gott im ewgen Leben, wann mein sterbend Auge bricht. Amen
Jesus, wann mein Leib wird sterben, lass dann meine Seele erben deines Himmels Seligkeit. Amen.
Montag, 26. November 2007
Von klingenden Rohren, Schneegestöber und der Macht des Zufalls
Vier schwarze Notenständer stehen in einem leichten Halbkreis.
Neben einem steht ein einmal nur leicht und ein Mal stark gebogenes, golden lackiertes Rohr, dessen eines Ende mit einer schwarzen Plastikkappe abgedeckt ist und dessen anderes Ende die Form eines Trichters hat. An seinem Hals entlang sind Klappen und Ventile angebracht.
Ganz klar, es handelt sich um ein Saxophon.
Unschuldig und stumm steht es da auf der Bühne und präsentiert sich wie selbstverständlich, aber doch ein wenig schüchtern der wartenden Menge.
Als es dann endlich sanft in die Hände des Musikers genommen wird, zeigt es schließlich, dass es kein bisschen unschuldig oder gar schüchtern ist.
Es bricht hervor, dann schleicht es sich wieder zurück, bleibt in Lauerstellung und schließlich taucht es den gesamten Raum in eine Stimmung, die alle dazu bringt, dass sie mit den Füßen wippen, mit den Fingern auf dem Tisch trommeln oder den Kopf hin und her bewegen.
Vor uns steht ein Saxophon-Quartett mit dem vielsagenden Namen "Saxomania".
Ein wunderbarer Abend beginnt.
Und als er zu Ende ist, bin ich mal wieder davon überzeugt worden, dass ich schleunigst dafür sorgen muss, ein Saxophon mein Eigen nennen zu können.
Es scheint mir neben dem Klavier das einzige Instrument zu sein, das meinem Innersten Ausdruck verleihen könnte.
Ein großes Nahziel lautet also:
Saxophon-Unterricht mit dem eigenen Instrument!
Auch heute Morgen hatte ich diesen Wunsch und habe ihn noch.
Selbst als ich mich mit dem Fahrrad durch ein wildes Schneetreiben kämpfte und Richtung "Berch" fuhr, ging mir der Gedanke an den warmen Klang und das schrillende Lachen eines Sax´s nicht mehr aus dem Sinn.
Schnee. Es scheint nun tatsächlich auf die Möglichkeit hinaus zu laufen, dass es an Weihnachten auf den Straßen und Wegen sehr leise sein wird, weil der Schnee jeden Laut verschluckt.
Ein schöne Vorstellung...weiße Weihnacht...
Ich war also mit dem Rad unterwegs.
Vielleicht hätte ich das lassen sollen.
Denn wie es der Zufall so will, kann ich mein Rad in der nächsten Zeit erst mal stehen lassen.
Nichts ahnend radle ich also vom "Berch" zurück und merke auf einmal, wie jede kleine Unebenheit der Straße an meinen Lenker weitergegeben wird. Das ist nicht normal, denn eigentlich werden die Stöße ja von den Reifen ein wenig reduziert, schließlich ist ja Luft im Schlauch - gewesen.
Tatsächlich. Gewesen ist das richtige Wort. Denn als ich absteige, um zu prüfen, was für diesen nicht gerade angenehmen Umstand verantwortlich ist, bemerke ich, dass ein kleiner Reißnagel im Vorderrad steckt.
Ganz toll.
Wieviele Reißnägel liegen wohl auf der Strecke, die ich gefahren bin?
Höchstens zwei. Wenn nicht gar bloß einer.
Und wer erwischt den?
War ja klar...
Den Rest des Weges durfte ich also mein Rad neben mir schieben. Und den Rest der Woche werde ich zu Fuß bewältigen müssen.
Nun ja. Vielleicht gar nicht mal so schlecht, denn wenn ich bedenke was mir letztes Jahr um diese Zeit mit dem Rad bei Schneefall passiert ist...
Also gut.
Diese Woche noch, dann ist erst mal Heimaturlaub angesagt. Ein 15. Geburtstag steht an und damit auch Kaffee und Kuchen im Kreis der Familie.
Auch mal wieder schön...
Mittwoch, 21. November 2007
Vom zerbrochenen Schlüssel und dem Zwang zu denken
Einen Versuch gibt man sich noch, sollte der nicht zum Erfolg führen, wird man eben zur Uni laufen.
Ein letzter Anlauf wird gestartet. – Kurz knackt es und schon wurde einem die Entscheidung abgenommen, wie man zur Vorlesung kommt.
Der Schlüssel ist abgebrochen.
Dieses Erlebnis führte dazu, dass ich heute Morgen einen halbstündigen Spaziergang durch Erlangen gemacht habe, ständig in der Angst, zu spät zu kommen.
Gut, dass ich den mp3-Player dabei hatte, so läuft es sich gleich leichter.
Ich kam übrigens pünktlich in den Vorlesungsraum und war nicht mal die Letzte.
Dann saß ich neunzig Minuten da und – dachte.
Ich dachte darüber nach, warum ich ständig über alles und jeden nachdenke. Es ist schon ein regelrechter Zwang, der mich immer wieder dazu bringt, dass ich ein Gedankenkarussell anschiebe, das sich damit beschäftigt, warum man eigentlich sein Leben so gestaltet, wie man es gestaltet.
Weshalb erfindet die Menschheit immer wieder Beschäftigungen, die einen durch die Zeit, die man lebt, begleiten? Wo ist der Sinn des ganzen? Warum kann man seine Zeit nicht mit etwas verbringen, das einem selbst etwas gibt? Weshalb tun wir so oft Dinge, die wir gar nicht tun wollen, nur weil es von uns erwartet wird?
Wer erwartet das denn?
Die oft genannte „Gesellschaft“? Wer ist das? Wenn ich über die Menschen heute nachdenke, dann sind 95% davon Leute, denen ich gar nichts recht machen will, deren Erwartungen ich gar nicht erfüllen möchte.
Sicher, gewisse Regeln muss es geben, an die man sich hält, damit das Zusammenleben einigermaßen gut läuft. – Aber schauen wir uns doch mal um! Wer hält sich denn noch an wirklich wichtige Grundregeln? Das tut doch niemand mehr!
Wir haben uns Schritt für Schritt einsamer gemacht. – Was eigentlich gegen die menschliche Natur geht, denn rational betrachtet, ist der Mensch ein Rudeltier. Mit komplizierten Sozialstrukturen, die sich über viele tausend Jahre Evolution entwickelt haben.
Aber ich habe den Eindruck, dass viele der heute lebenden Menschen gar nicht mehr im Verband leben können.
Langsam merke ich es an mir selbst, der Mensch muss sich immer stärker anstrengen, um seine Kontakte zu pflegen und sich ein Netz zu schaffen, das ihn wirklich auffängt, wenn er mal fallen sollte.
Der Mensch – ich sage lieber ich, sonst heißt es, ich verallgemeinere – also: ich bin ein Einzelgänger geworden.
Ich habe verlernt sozial zu sein.
Ein wenig komme ich mir vor wie Rilkes Panther, nur dass ich in mir selbst gefangen bin. Für alle anderen ein trauriger, erschütternder Anblick, ein Schatten von dem, was ich vor vier oder fünf Jahren war. Menschlich verkümmert.
Manch einer wird wahnsinnig, schreit seine Traurigkeit, seine Trübsal heraus. Ich hingegen werde still, schreie in mich hinein und suche alle vor mir zu bewaren.
Kein Ventil, das ich einmal hatte, ist mehr genug. Der Druck ist zu groß und kulminiert immer wieder in dem einen Wunsch, dem unsagbaren Wunsch.
Denn niemand will, dass man darüber redet. Man dürfe an diesen Ausweg nicht einmal denken, wird oft gesagt. Was aber, wenn man nur noch diesen Gedanken hat? Wenn am Ende jeder Überlegung diese eine Lösung steht?
Mittwoch, 14. November 2007
Gedanken zum Winteranfang
Und damit eine Frage, die mich seit dem beschäftigt:
Wie hört es sich eigentlich an, wenn eine Schneeflocke landet?
Ist es mehr ein Knacken oder ein Tippen? Knirscht es ein wenig oder knallt es sogar?
Was könnte sie von ihrer Reise erzählen? Hat sie etwa gesehen wo das Christkind wohnt?
Ja ja, Weihnachten, das Fest der Liebe und der unausgesprochenen Verwünschungen rückt immer näher. - Gut, wenn man sich am Handel orientierte, stünde bereits jetzt der bunt geschmückte Plastikbaum mit farbig leuchtender Lichterkette im überdekorierten Wohnzimmer, und spätestens seit Ende Oktober hätten wir unseren Heißhunger auf Lebkuchen schon längst gestillt.
Meine Idee von neulich hat übrigens schon Abnehmer gefunden: Es gibt einen Milka-Weihnachtshasen (!).
Und die schönen Fondant-Spiegeleier gibt es passend zum Fest in Sternform.
Aber all das bestärkt mich, tapfer weiter auf den ersten Advent zu warten und just an diesem Tag genüsslich in meinen ersten Lebkuchen zu beißen.
Und von Plastikbäumen kann schon mal gar nicht die Rede sein. Bei uns wird es traditionell einen echten Baum aus einem echten Wald geben, der dann auch echt nadelt...Natürlich ohne Lichterkette, sondern mit original Bienenwachskerzen. Das war noch nie anders und das wird auch so bleiben! Es wäre doch kein Heiligabend, wenn das Wohnzimmer nicht nacht Tanne duftete und vom flackernden Licht der Kerzen in eine sanfte, schummrige Stimmung getaucht wäre.
Sollte es widererwarten doch anders kommen, trete ich in den Streik!
Und weil wir grad bei Liebe waren, hier noch ein (zugegeben) kitschiges Gedicht aus der privaten Manufaktur:
Zeig Dich mir, Liebe!
Enthülle Dein Gesicht!
Nenn mir Deinen Namen und
sage mir den Ort, da ich dich finde!
Lehre mich Deine Regeln,
erkläre mir
Dein Spiel
und
mache es zu meinem!
Kein Meister will ich sein,
nicht mit Dir messen
will ich mich.
Nicht gleiche Waffen schenke mir,
nein, Einblick nur
in Deine Kunst.
Deinen Zauber verrate mir,
lass mich ein Mal nur
von deiner herben Süße
kosten!
So viel für heute. Jetz gibt´s erst mal Mittagessen und danach: Emilia Galotti - schon wieder...
Freitag, 9. November 2007
Bin ich versaut oder nur mein Humor - oder wir beide?
Der Französisch-Kurs beginnt mit den üblichen kleinen Sätzen, die wir alle ganz stolz und wahrscheinlich mehr oder weniger stümperhaft aussprechen:
Je m'appelle... Je suis allemande. Je etudé l'histoire...Comment allez vu? - Bien, merci.
Aber die heutige Stunde soll noch eine kleine Überraschung für mich bringen.
Eigentlich läuft alles ganz normal, bis eine geschätze viertel Stunde vor Schluss die Erklärung kommt, dass Substantive, die auf -el(l) enden, wenn sie im Singular stehen, im Plural auf -eaux enden.
Es folgten ein paar Beispiele und die Frage, ob wir auch derartige Wortpaare aus dem Französischen kennen.
Und was fällt mir ein?
Bordell - Bordeaux
Ich muss zugeben, dass ich mich ganz schön zusammen reißen musste, um mich nicht zu melden und diesen (wie ich finde) megamäßigen Kracher dem Rest des Kurses mitzuteilen.
Innerlich habe ich mich so dermaßen beömmelt, dass es schon nicht mehr feierlich war.
Zudem muss man wissen, dass unsere Dozentin am Beginn der Stunde mit stolzgeschwällter Brust verkündete, dass sie aus Bordeaux kommt, eine "echte bordelaise" (O-Ton!) ist.
Es war also ein traumhafter Start in den Tag!
Allerdings mache ich mir nun Gedanken, ob in meinem Hirn ein paar Synapsen falsch geschaltet sind. Schließlich fällt es mir alles andere als schwer, zweideutige Verknüpfungen mit scheinbar alltäglichen Begriffen zu finden.
Was würde Freud dazu sagen?
Dienstag, 6. November 2007
Linguistik-Filmchen
Heute ist anscheinend ein außergewöhnlicher Tag.
Dienstag, 7.39 Uhr. Ich blinzle auf meinen Wecker und bin der Meinung, dass es nun doch langsam Zeit ist, aufzustehen, schließlich beginnt um 8.15 Uhr der Grundkurs.
Ich schaffe es tatsächlich rechtzeitig und habe vorher sogar noch die Möglichkeit, etwas zu frühstücken. Sehr ungewöhnlich.
Was auch neu ist: Ich fühle mich einigermaßen wach und muss nicht darum kämpfen, wach zu bleiben.
Dazu kommt, dass es ziemlich interessant ist, was die gute Frau da erzählt. Und vor allem lustig!
Beispiel:
Sie sagt sinngemäß, dass die Spur eines Tieres im Schnee ja nicht das komplette Tier abbildet - und schon bin ich kurz davor, vor Lachen zu platzen, weil ich vor meinem inneren Auge plötzlich Rehe, Füchse und Braunbären sehe, die nicht auf ihren Pfoten bzw. Hufen unterwegs sind, sondern die immer wieder von einer Seite auf die andere klappen und sich so fortbewegen. Ein herrliches Bild! Und das morgens um neun.
Dann geh ich in den Computerraum und lese im Studivz ein paar nette Mails von Leuten, die sich bei mir bedanken, weil ich ihnen gestern noch schnell ne Nachricht geschickt habe, dass die Übung ausfällt. - Schön.
Jetzt muss ich nur noch das Proseminar Claudius & Nero überstehen, denn mein Hirn scheint heute Nacht eine kleine Party gefeiert zu haben. Leider ohne mich. Dem entsprechend fühlt sich mein Kopf an. Aber das wird schon wieder werden.
Schließlich gibt es zum Abschluss des Tages wieder unser WG-Essen, bei dem wir gemeinsam im Wohnzimmer hocken, über CSI Miami ablästern und danach andächtig Dr. House lauschen. Eigentlich kann ich wirklich nicht meckern.
Guuut, ich habe noch immer kein Thema für die PS-Arbeit in NDL und meine PS-Arbeit in Alter Geschichte will auch nicht so recht voran gehen, aber das klappt auch irgendwann und dann sieht die Welt wieder besser aus.
Jetzt werd ich noch mal kurz bei youtube.com vorbei schauen und mich dann auf den Weg in die Kochstraße machen.
Mittagessen fällt aus.
Erkenntnis des (bisherigen) Tages: Unsere Welt ist voller Zeichen!
Montag, 5. November 2007
Wie ich die Wirtschaft ankurbele
Bei einer Sache allerdings, kann ich nicht sagen, dass ich mich freue, dass es wieder so weit ist.
Schnupfen.
An meinen letzten kann ich mich gar nicht erinnern, ist also schon etwas länger her. Aber jetzt hat er mich wieder erwischt und ich bin kein bisschen amused. Denn wer freut sich schon, wenn er nachts immer wieder aufwacht, weil die Gefahr zu ersticken einen aus dem Schlaf reißt. Oder wenn man das Gefühl hat, dass der Kopf in einem Schraubstock klemmt und irgendwer ständig daran dreht. Nein, das ist wirklich nichts Angenehmes.
Andererseits kann ich mir jetzt ein Schild umhängen mit der Aufschrift: Konjunkturspritze. Denn in den letzten zweieinhalb Tagen habe ich so viele Taschentücher verbraucht, wie im ganzen letzten halben Jahr nicht. Wenn also die „Faceletto“-Industrie einen unerwarteten boom erlebt, dann liegt das an mir und meiner Marathon laufenden Nase.
Wirtschaftlich gesehen sind wir ein echtes Dreamteam.
Ein Nachteil ist allerdings nicht zu verleugnen: mein Geschmackssinn hat sich verabschiedet. Mir würden im Moment wahrscheinlich auch Dinge schmecken, um die ich sonst einen großen Bogen mache. Für einen Genießer wie mich ist das natürlich eine nicht gerade eine schöne Situation.
Aber was will man machen.
Mit Medikamenten geh ich jedenfalls nicht dagegen vor. Mir hat der Versuch mit dem Kindernasenspray schon gereicht. Ich dachte wirklich, dass es mir die Nase wegätzt. Glücklicherweise war dem nicht so.
Es gibt immer wieder Momente, die mich kurz innehalten lassen.
Als ich vorhin in der Mittelaltervorlesung saß und kurz vorm Verzweifeln war, ob der Sprechgeschwindigkeit des Dozenten, fing mein Handy an zu vibrieren.
Ein Anruf einer Person mit mir und meinem Handy unbekannter Nummer. Ich drückte auf „besetzt“ und wartete bis zur Pause. Da las ich dann, dass meine Mailbox eine Nachricht für mich bereithält. Ich rufe also an und warte voller Spannung.
Es ist mein Dozent der Kelten-Übung. Er hat nur angerufen, um mir zu sagen, dass die Übung heute Abend nicht stattfindet. Er hofft, dass es, weil so kurzfristig, noch nicht zu spät ist und ich die Mitteilung rechtzeitig bekomme.
Wow.
Ich war einen Moment lang ziemlich baff. Danach fand ich es einfach nur noch unglaublich nett von ihm, dass er seinen Leuten so gut es geht Bescheid gibt, wenn eine Sitzung mal ausfällt.
Es gibt also doch noch nette Menschen.
Nicht, dass ich noch keine kennen gelernt hätte, aber die lassen sich an zwei Händen abzählen, sind damit eher rar.
Was mache ich nun mit dem angebrochenen Abend?
Gut, ich habe einer Mitbewohnerin versprochen, mit ihr die Horror-Serie zu kucken. Das steht fest.
Und vorher?
Vielleicht werde ich das Theaterstück lesen, dass als Hausaufgabe für diese Woche auf dem Plan steht. Catharina von Georgien. Gryphius. Mal sehen, ob es da auch so tolle „Zeichen“ gibt, die man stundenlang zerreden kann, wie zuletzt bei Aristophanes und dem Mantel und der brennenden Denkerbude des Sokrates…
Ich bin gespannt. (Das war eine ironisch gemeinte Äußerung! Meine Spannung ist vergleichbar mit der Vorfreude auf eine Wurzelbehandlung oder eine Mathematikabfrage an der Tafel…)
Wahrscheinlich werde ich doch wieder der Musik frönen. Schließlich muss ich die Gelegenheit nutzen, dass meine Stimme wegen des Schnupfens angenehmer als sonst klingt. Warum kann das nicht so bleiben und der Schnupfen verschwinden? – Nun ja, man kann nicht alles haben…
Eventuell lese ich noch in der Nero-Biografie weiter, die wirklich amüsante Details über den Kaiser eröffnet. Zum Beispiel ist ja vielen bekannt, dass er den schönen Künsten und damit auch der Schauspielerei zugeneigt war. Den ersten Kracher brachte er, als er bei seinem ersten Auftritt was spielte? – Genau, eine Frau. Bei weiteren Auftritten folgten eine in den Wehen liegende Schwangere, der rasende Herkules, den er so überzeugend gespielt haben soll, dass ein Mann seiner Leibgarde ihm zu Hilfe eilen wollte, als man den Herkules in Ketten legte, weil er dachte, es sei ein Angriff auf den Kaiser, und den Vogel schoss er ab, als er Orestes den Muttermörder zum Besten gab. Wie passend.
Ja, er war wirklich ein wenig geltungssüchtig.
Wobei ich mir sicher bin, dass es auch heute noch für ziemliche Unruhen sorgen würde, wenn Frau Merkel auf einmal im Münchner Staatstheater als einer der Physiker Dürrenmatts auftreten würde. Nicht auszudenken…
(…aber lustig vorzustellen..)
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Als ich fort ging
Manchmal hör ich ein Lied, bei dem ich mir dann denke: Das könnte man prima am Ende einer Verfilmung deines Lebens spielen, wenn eine kleine Einblendung kommt, dass du irgendwann Schluss gemacht hast.
Als ich gestern mittag in der Küche stand, lief genau so ein Lied im Radio und ich sah den Abspann zu meiner Bio vor meinem inneren Auge ablaufen.
Es hat ziemlich gut gepasst.
http://www.youtube.com/watch?v=bv5SQH7V2Ao
Allerdings bin ich jetzt schon fast wieder der Ansicht, dass ich das perfekte Lied zum Schluss doch selbst schreiben sollte.
Vielleicht geht es mir dann so wie allen großen Künstlern, dass ich erst nach meinem Tod wirklich Erfolg habe.
Aber vielleicht soll ich den gar nicht haben.
Vielleicht bin ich das, wofür die Mutter des Claudius ihren Sohn immer gehalten hat: Etwas, das die Natur begonnen, aber nicht zu Ende geführt hat. Etwas völlig unvollkommenes.
Klar, niemand ist vollkommen, niemand ist perfekt, aber einige sind nahe dran, zumindest ein ganzes Stück näher, als ich.
Ja, das klingt jetzt wieder tieftraurig und wahnsinnig betrübt, aber manchmal braucht man ein Ventil, um seine abgründigen Gedanken loszuwerden.
Die Abgründigsten behält man sowieso für sich.
Gerade vorhin saß ich in einem Proseminar, in dem ich immer wieder den Eindruck hatte, dass es ziemlich sinnlos ist, worüber da diskutiert wird. Bringt es die Menschheit wirklich weiter, wenn sie weiß, was der Mantel in Aristophanes "Wolken" für eine Bedeutung hat? Muss ich wissen, warum Strepsiades am Ende Sokrates´Haus niederbrennt?
Und warum zieht im Augenblick alles an mir vorbei?
Weshalb kommt es mir so vor, als wäre die Welt hinter Glas und ich bin das kleine Kind vor dem Spielzeugladen, dass sich die Nase an der Scheibe plattdrückt?
Im Film "Stadt der Engel" gibt es die Vorstellung, dass diejenigen, die bald sterben werden, von einem in Schwarz gekleideten Engel abgeholt werden, den nur sie sehen können.
Im Augenblick beobachte ich mich immer wieder dabei, wie ich nach einem solchen Engel Ausschau halte, wie ich ihn mit meinen Blicken suche und doch nicht finde, obwohl ich ab und zu den Eindruck habe, dass er direkt hinter mir steht.
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich viele Menschen eine von ihnen nicht beeinflussbare Bedingung setzen, die sie, wenn sie erfüllt wird, dazu berechtigen, zu gehen...
Da ist es schon gut, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann.
Dienstag, 30. Oktober 2007
Sprachlos
Jemand, den man eigentlich überhaupt nicht kannte, stirbt und man weiß nicht, was man sagen soll.
Als ich gestern nichtsahnend meine Mails nachsehen wollte, sah ich den Eintrag auf der Homepage von web.de.
Evelyn Hamann ist tot.
Ich saß still da, unbeweglich, wie vom Donner gerührt. Das kann nicht sein. Mir fielen die zahlreichen Filme ein, die ich mit ihr als Darstellerin gesehen habe. Einzelne Szenen tauchten auf, ich hatte die Stimme wieder im Ohr.
Eine ganze Weile saß ich einfach nur da und starrte ihr Bild auf dem Monitor an.
Es macht mich ziemlich betroffen und gleichzeitig lässt es mich verwundert zurück, dass mich ihr Tod so berührt.
Schweigen ist alles, was bleibt. Völlige Sprachlosigkeit.
Montag, 29. Oktober 2007
...
Die großen weißen Vögel
Weit draußen auf dem blauen Meer
erklingt ein Lied von Wiederkehr,
ein Lied vom Leben.
Matrosen singen es zur Stund,
da sie den Freund dem Meeresgrund
tot übergeben.
Im Tuch aus Leinen ruht er schön
und hört leis weiße Flügel gehn
in blauen Fernen.
Ein Lächeln schmückt ihn, wo er liegt.
Das ist die Seele, denn sie fliegt
nicht zu den Sternen.
Und seinen Leichnam ruft ein Lied,
das lockend über Klippen zieht,
wie Wind und Welle.
Schäumt auch die Meeresfläche wild,
Gedanken formen doch ein Bild
aus seiner Seele.
Der schöne Seemann, wie ein Stein,
sank in die tiefe Flut hinein,
in eine Wiege.
Zur selben Stund hoch in der Luft
ein großer weißer Vogel ruft:
den Tod besiege!
Seht ihr die weißen Möwen dort,
sie fliegen weit vom Ufer fort
im Meerestosen.
Sie formen Schreie und erzählen:
unsre Flügel sind die Seelen
der Matrosen.
Der Meeresfluten kühles Grab
zieht dich, Matrose, tief hinab,
dich zu vereinen
mit allen, die an dich gedacht
und die in ferner stiller Nacht
leis um dich weinen, weinen, weinen.
Ich bin wieder hier...
Na ganz toll.
Da glaubt man, dass man es geschafft hat, dass man ab jetzt glücklich und einigermaßen frei leben kann und dann kommt wieder so ein verfluchtes Loch.
Man hat das Gefühl einfach nur zu fallen, ohne jemals irgendwo anzukommen oder aufzuschlagen. Es geht die ganze Zeit nur abwärts, immer tiefer, immer dunkler, immer lauter wird die Stille und man kann sich nirgens festhalten, jedes Mal, wenn man nach etwas greift, rutscht man wieder mit den Händen ab und der Sturz geht weiter, scheint nie enden zu wollen.
Alles um einen herum kommt einem so fremd vor. Man selbst ist sich fremd. Man passt nicht in die Welt.
Aber es ist nicht die typische Traurigkeit, die man halt ab und zu mal hat. Nicht wie üblich, dass kein Lied traurig genug sein kann und man sich am besten noch einen Film mit Taschentuchgarantie reinzieht.
Es ist tiefer.
Viel tiefer. Man wird still. Schweigsam und sehr nachdenklich. Und man sehnt sich nach Einsamkeit, weil man weiß, dass man da nichts falsch machen, niemandem weh tun kann.
Weit weg von all dem, was einen überrollt, was einen überrascht und vor völlig neue Situationen stellt.
Einfach raus hier.
Schluss mit dem Theater.
Sämtliche Kraft ist aufgebraucht und man fühlt sich wie ausgelutscht, leergesogen.
Warum hört es nicht einfach auf?
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Halleluja, der Turm stürzt ein!
Unglaubliche Gefühlsausbrüche, die einen mitten in die Seele treffen und nicht mehr loslassen.
Eine Intensitiät so stark, dass es in der Luft knistert und der man sich nicht entziehen kann.
Ein Abend mit Jan Plewka, dem Sänger der Gruppe "Selig", an dem er Lieder von Rio Reiser singt.
Ich bin immer noch vollkommen hin und weg. Das waren Momente, von denen man sich wünscht, dass sie niemals enden, dass man sie auf ewig in sich tragen kann und wieder und wieder durchlieben und durchleiden kann.
"Wenn niemand bei dir is' und du denkst, daß keiner dich sucht,
und du hast die Reise ins Jenseits vielleicht schon gebucht,
und all die Lügen geben Dir den Rest:
Halt dich an deiner Liebe fest.
Wenn der Frühling kommt und deine Seele brennt,
du wachst nachts auf aus deinen Träumen,
aber da is' niemand, der bei dir pennt,
wenn der, auf den du wartest,
dich sitzen läßt:
Halt dich an deiner Liebe fest.
Wenn der Novemberwind deine Hoffnung verweht,
und du bist so müde, weil du nicht mehr weißt, wie's weitergeht,
wenn dein kaltes Bett dich nicht schlafen läßt:
Halt dich an deiner Liebe fest."
Und man sitzt im Theatersessel, neben sich einen Menschen, der einen liebt und den man selbst niemals loslassen möchte.
Gibt es etwas Schöneres?
Eines ist ganz klar:
die nächste DVD, die ich mir besorge, trägt den Titel "Jan Plewka singt Rio Reiser" und keine anderen CDs als die von Jan kommen demnächst in die Tüte!
Wunderbare, einfühlsame und ergreifende Texte in Verbindung mit dieser einzigartigen Stimme.
Danke, für diesen wunderbaren Abend.
Dienstag, 23. Oktober 2007
Von Lebkuchenhäuschen, Foltermethoden und Männern vom Fass
Alles ganz normal.
Radfahrer, Marktstände, schreiende Kinder, alte Menschen, junge Menschen, alte Menschen, die so tun, als wären sie junge Menschen...nichts Besonderes.
Oder etwa doch?
...na wenn ich schon so frage...
Lebkuchenhäuschen.
Wir haben Oktober und seit geschätzten zwei Wochen stehen hier Holzbuden mit Lebkuchenoptik herum.
Meine erste Vermutung war ja, dass diese Hütten nachts ein Eigenleben entwickeln und auf tagsüber unsichtbaren Zehenspitzen im Dunkeln zum Schloßplatz schleichen, um sich dann am ersten Advent zu einem Rudel zusammen zu finden und ihr Innerstes, sprich Spekulatius, Printen, Anisplätzchen und Kokosmakronen, preiszugeben.
Aber irgendwie lag ich da falsch. Sie wandern nicht. - Obwohl das eine sehr schöne Vorstellung ist, das muss man mir lassen!
Sie stehen also da und mittlerweile ist es schon so, dass sogar Weihnachtsgebäck verkauft wird. Wobei Norma und Co. ja schon vor drei oder vier Wochen damit begonnen haben.
Mal ehrlich:
vergeht einem da nicht die Vorfreude?
Bei uns zuhause gibt es die goldene Regel, dass es keinen Lebkuchen und nicht ein einziges Plätzchen, geschweige denn Stollen vor dem ersten Advent gibt.
Das hält die Spannung aufrecht und man nimmt nicht schleichend von September bis Dezember zu, sondern schlagartig...ob das von Vorteil ist, sei dahin gestellt, aber die Grundidee ist doch nicht schlecht.
Ich habe ja vor einiger Zeit die These aufgestellt, dass es irgendwann einen gesetzlichen Feiertag namens Weihstern geben wird. Ostern und Weihnachten finden dann im Sommer, mitten in den großen Ferien statt. Dann also, wenn der Großteil der Bevölkerung sowieso frei hätte, so dass kein zusätzlicher freier Tag anfällt und die Arbeitgeber sich zufrieden die Hände reiben können, weil niemand ausfällt.
Gut, die Wirtschaft wird davon nicht sonderlich begeistert sein, denn ob eine Zusammenlegung der Feste die Kaufkraft automatisch verdoppelt ist die zweite Frage...
Eigentlich bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass die Regierung (so wie sie jetzt drauf ist) darüber bestimmt sofort eine Bundestagsdebatte abhalten und einen vorläufigen Gesetzesentwurf erarbeiten würde.
Sogar Herr Schäuble würde sich freuen, denn dann gibt es nicht mehr zwei Tage, an denen potentielle Anschläge passieren könnten, sondern nur noch einen! Das macht die Lage in Deutschland doch schon mal sicherer...
Zum eben genannten Herren nur ein Zitat eines Ausspruches eines bekannten Kabarettisten:
"Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wäre ich der festen Überzeugung, dass der ein Rad ab hat." - Dem ist nichts hinzu zu fügen.
Was ich allerdings meinem Zimmer zufügen sollte (welch glanzvolle Überleitung), ist ein Bett. Und damit meine ich wirklich das Ding mit den vier Brettern als Rahmen und einem ordentlichen Lattenrost und ner Matratze.
Was ich bisher als Schlafstätte benutze, hätte man selbst im Mittelalter ob seiner grausamen Schmerzen, die es herbeiführt, als Folterinstrument abgelehnt.
Apropos Schmerzen:
Wenn ich noch einen Comedian erwische, der einen blöden Witz über das PMS macht...
Die sollen das selbst erst mal mitmachen, dann würden sie die Klappe nicht so aufreißen, sondern hätten Ehrfurcht vor unserer Standhaftigkeit!
Wenn Männer die Tage bekommen würden, würde unser gesamtes System täglich zusammen brechen und die Krankenhäuser hätten eigene Stationen dafür, die ständig überbelegt wären. Es gäbe keine Schießereien mehr im Fernsehen, sondern den Wettstreit, wer es länger aushält, ohne zur Schmerztablette zu greifen.
Aber gut...ich will mich beruhigen und lieber noch eine nette Anekdote zu den Kelten erzählen. Bei Asterix und Obelix, ihres Zeichens Gallier (=Kelten) gibt es ja die Vorstellung, dass die einzige Angst, die sie hätten, die sei, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte.
Wie ich nun erfahren habe, ist das keineswegs eine Erfindung von Goscinny und Uderzo, sondern eine historisch belegte Tatsache.
Es findet sich zum Beispiel ein Bericht eines Alexander-Biographen, der von einem Besuch der Kelten bei Alexander erzählt. Dieser habe die Krieger gefragt, wovor sie Angst hätten, natürlich nur, um zu hören, wie sie knieschlotternd und mit bebender Stimme seinen Namen sagten (er war ein kleinwenig eingebildet...was auch durch Quellen belegt und damals ebenso empfunden wurde).
Die Antwort der Gäste allerdings ließ ihn kurz verstummen.
Sie erklärten ihm, dass sie so weit ab vom Schuss lebten und er sich sowieso in eine andere Richtung orientiere, dass sie vor ihm, den sie natürlich schätzten, keine Angst hätten. Die einzige Befürchtung, die sie immer wieder umtreibt sei, dass der Himmel über ihnen hereinbrechen könnte.
Daraufhin machte er sie noch schnell zu Bundesgenossen und als sie den Raum verlassen hatten, nannte er die Kelten "Windbeutel" - will heißen: Aufschneider, Angeber, Prahler.
Tja, gleich und gleich gesellt sich eben gern.
Bekannter als diese Tatsache ist die Begegnung mit Diogenes, dem Typen im Fass. Er predigte wohl sowas wie Besitzlosigkeit, also dass man nicht reich und wohlhabend sein müsse, um glücklich zu sein.
Diogenes lag also an einem schönen Tag mal wieder herum und genoss sein Leben.
Da kam Alexander vorbei, der von ihm gehört hatte und sagte ganz gönnerhaft: Er wolle ihm jeden Wunsch erfüllen, den Diogenes verlange. Egal was, er würde es ihm erfüllen.
Diogenes gab als Antwort genau fünf Worte:
"Geh mir aus der Sonne!"
Bühnenreif, würde ich sagen. Eindeutig.
Montag, 22. Oktober 2007
Von drauß vom Walde komm ich her...
Ja.
Wir haben Winter.
Woran merkt man das?
Wenn man vom Fahrrad steigt und sich seine Hände ansieht, sehen sie ziemlich rot aus und der Versuch, sie ein wenig zu bewegen, wird schnell wieder beendet, denn es tut höllisch weh, weil sie bis auf die Knochen durchkühlt sind. - Ich sollte mir wirklich Handschuhe zulegen, wenn meine Finger dran bleiben sollen, was durchaus in meinem Sinn wäre!
Und für Brillenträger besonders schön: sobald man in einen warmen Raum kommt, sieht man nichts mehr. - Das nervt!
Aber:
man kann auch wieder gemütlich auf dem Sofa hocken, mit einer Kuscheldecke (die mir noch fehlt...), einer Tasse Tee und wenn man gaaaanz viel Glück hat, muss man das nicht mal alleine tun. - Ein Traum...
Diese Woche wird es also ernst: Sämtliche Kurse, Seminare und Vorlesungen finden statt. Mal sehen wie mein Nervenkostüm am Ende der Woche aussieht. Ich bin gespannt.
Aber zum Glück stehen ja auch zwei sehr schöne Abende an, die ich nicht in der Uni oder am Schreibtisch verbringen werde, sondern im Theater. Jan Plewka (Sänger der Gruppe Selig) und Nessi Tausendschön (~Kabarrettistin) warten und ich freue mich schon sehr darauf.
Außerdem nähere ich mich dem glücklichen Zustand, so ziemlich die Grundausstattung an Büchern beisammen zu haben. Für alle reicht es nicht, aber das Wichtigste steht bereits am Arbeitsplatz oder ist bestellt.
Hach ja...die letzte Woche war sooo schön...besonders natürlich das Wochenende ;-)
Tabu ist einfach ein geniales Spiel, vor allem die Version mit Knotenknut! Und Black Stories ist ebenfalls ein erheiterndes und was Mordpläne angeht, ein sehr inspirierendes Spiel.
Es ist wirklich schön, wenn man einen Abend mit Leuten verbringt, bei denen man sich nicht verstellen muss und die einem auch mal dummes Gesabbel nicht übel nehmen oder sogar noch mit einsteigen.
Und: ICH war Gastgeberin! ICH! Das muss man sich mal vorstellen. Der Partymuffel schlechthin, der übelste aller Trauerklöße hat das alles organisiert und die Leute eingeladen. - Man wird es mir wohl nicht übel nehmen, wenn ich voller Stolz von mir behaupte, dass ich mich ganz schön gewandelt habe.
Rückblickend lässt sich die letzte Woche mit der Überschrift: Und ich kann es doch! betiteln.
Ich bin meinem Leben oder dem, was sich Leben nennt, nicht hilflos ausgeliefert, sondern kann es mitbestimmen, kann es verändern und offensiv darauf los gehen.
Der einzige Nachteil des Ganzen: man bekommt eher wenig Schlaf...aber das ist es mir wert!
Oder um es mit Wolfgang Borchert zu sagen:
Berauscht
Berauscht euch! Nur berauscht
läßt sich dies Leben leben -
berauscht von Geist und Blut und Reben,
berauscht von Licht und Dunkelsein!
Sauft doch das Leben -das Leben selbst ist Wein!
In diesem Sinne: auf geht´s!
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Dieses war der erste Streich...
Ja, richtig gelesen. War.
Denn ich habe zwar durchaus mit Freude, aber doch ein wenig mit Enttäuschung heute mittag festgestellt, dass ich morgen frei habe. Frei-tag.
Allerdings nur diese Woche, denn nächste Woche findet dann sowohl der Französisch-Kurs, als auch die Mittelalter-Übung statt. Da ist dann nichts mehr mit ausschlafen.
Dann heißt es dienstags, donnerstags und freitags: sieben Uhr aufstehen, um acht in der Uni sein!
Im Grunde kann ich mich aber über meinen Stundenplan nicht beklagen. Ich habe immer wieder mal eine Lücke, um mal durch zu schnaufen, etwas zu essen oder kopieren zu gehen.
Das erste Hausarbeitsthema habe ich auch schon: Nero als Künstler.
Im Moment habe ich ja immer noch das Bild des jungen Peter Ustinov vor mir, der seine Tränen in einem kleinen Becherchen sammelt und, sich selbst auf seiner Lyra begleitend, das brennende Rom besingt. - Fragt sich, was für Rom schlimmer war...
Mal sehen, was von diesem Bild am Ende des Semesters übrig ist.
Ein bisschen Stress gab es leider auch schon, denn die Uni konnte ja nicht damit rechnen, dass zum Wintersemester so viele neue Studenten kommen und die natürlich alle nach der neuen BA- oder Master-Ordnung studieren wollen und deshalb sämtliche Proseminare in NDL zum Beispiel völlig überfüllt sind. Da sitzen dann eben statt vierzig locker mal achtzig bis neunzig Leute, von denen die Hälfte nicht wusste, dass man sich für das Seminar anmelden muss, weil es ihnen entweder nicht mitgeteilt wurde oder sie sich, wie in meinem Fall, auf die Informationen im Univis verlassen haben, die besagten, dass man sich in der ersten Stunde anmelden kann. Super!
Dann bekommt man noch etwa acht Reclams und zwei Einführungen genannt, die man sich allein für dieses Seminar zulegen sollte, denn "Ich bin der Meinung, dass Sie das im Regal haben sollten." - Schön. Aber ich bin der Meinung, dass die hier langsam nicht mehr alle Nadeln an der Tanne haben!
Würde ich mir alle Bücher zulegen, die mir genannt wurden, käme ich auf geschätzte dreihundert Euro. Das ist doch mal ne stolze Summe!
Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als mir nur das Nötigste zu besorgen und den Rest stundenweise in der Unibib zu lesen oder mir dort auszuleihen.
Irgendwie hatte ich mir Studieren einfacher vorgestellt, soll heißen weniger kompliziert was die Organisation angeht. - Ts, da ist man ein Mal optimistisch eingestellt...
Heute konnte ich in der Vorlesung zur römischen Geschichte ein Phänomen beobachten. Einen Menschen, der nur in Vokalen zu sprechen scheint.
Ja.
Wir saßen etwa in der Hälfte der Reihen und konnten nur anhand unserer Kombinationsfähigkeit entschlüsseln, was der gute Mann, der zugegebenermaßen wirklich sympathisch, bemüht und durchaus nett zu sein scheint, da vorne erzählte.
Ab und zu tauchte mal ein "sch" oder "tz" auf. Dann aber wurde es wieder ein Aneinanderreihen von A´s, O´s, U´s und den restlichen Vokalen.
Aber ich will nicht meckern.
Wenn ich mir den Stundenplan und vor allem die Stundenzahl meiner Mitbewohnerin, die Jura studiert, ansehe, dann bin ich schon ziemlich froh, dass ich mit 21 Semesterwochenstunden noch relativ viel Freiraum habe. Allerdings habe ich eine fünf-Tage-Woche im Gegensatz zu ihr, die sie nur vier Tage in der Uni ist...
Ein Schädel kostet neunundsiebzig Euro!
Ich dachte, dass sich so ein Teil in meinem Zimmer sicher ganz gut machen würde und habe mich in der Buchhandlung um die Ecke mal in die Medizinerabteilung gewagt und nachgesehen. Neunundsiebzig Euro. - Das ist es mir dann doch nicht wert...
Auch Stethoskope sind ganz schön teuer, hätte ich nicht gedacht. Aber da ist es dann echt kein Wunder, dass es der Otto-Normal-Verbraucher nicht zum Arzt bringt, wenn man allein um die Grundausstattung zu bekommen schon Millionär sein muss.
Wobei die Bücher der Psychologen und der Juristen auch locker mal dreißig bis vierzig Euro das Stück kosten. Tja, selbst wenn ich das mit Mathe noch auf die Reihe gekriegt hätte, spätestens am Bücherregal wäre meine Karriere als anerkannte Kinderpsychologin gescheitert...
Und meinen Notfallplan, an der Uni zu bleiben, falls es mit dem Lehramt nicht wirklich klappen sollte, kann ich im Grunde auch vergessen, denn nachdem ich mich mit einem Mathematiker unterhalten habe und der meinte, dass es sich eigentlich nur als Prof lohnt, am Ort des Verbrechens zu bleiben, gibt es wohl doch nur noch den steinigen Weg zurück ans Gymnasium.
Schon schräg:
Erst ackert man neun Jahre lang mehr oder weniger intensiv, dass man da raus kommt und dann sitzt man sich viereinhalb Jahre den Hintern wund, um wieder rein zu dürfen. - Warum kann man nicht gleich da bleiben? Lehrer als anerkannter Ausbildungsberuf wäre doch auch mal ne schöne Alternative.
Was heute allerdings besonders schön war, war die sinnloseste, aber dafür auch spaßigste Beschäftigung, die ich seit Langem getan habe:
Männer benoten.
Wir saßen zu zweit im Café am Tresen der günstiger Weise am Fenster stand und daher einen guten Blick auf die vorbeilaufenden mal mehr, mal weniger männlichen Wesen bot, und bewerteten auf einer Skala von eins bis sechs.
Unglaublich wie viele Dreier herumlaufen…
Moralisch gesehen, war das natürlich keinesfalls in Ordnung, was wir da gemacht haben, aber „es ist weiblich“, wie meine Kommilitonin bemerkte und das neutralisiert das Ganze dann wieder. Außerdem waren wir auch relativ fair und wenn jemand so gar nicht unser Fall war, dann bekam er eben eine Null.
Ist doch nett von uns?
Und wir trafen den Entschluss das jetzt jeden Donnerstag von viertel vier bis vier zu machen. Endlich etwas Spannendes im Stundenplan!
Morgen folgt noch ein schönes Semesteranfangsessen mit guten Freunden und hoffentlich einer Runde Tabu mit Knotenknut. – Ich liebe es! (um eine bekannte fast – food - Kette zu zitieren)
In diesem Sinne: qualis artifex pereo!
Das waren die letzten Worte Neros.
Wenn ich es nicht im entscheidenden Moment vergesse, könnten das auch meine werden…
PS: Hier noch ein Link zu einem Lied, der mich doch stark an die letzten Momente auf der großen Bühne erinnert hat...obwohl es doch eigentlich um Liebe geht...aber war es nicht wie eine unsterbliche Liebe, die Bühne und ich?
http://www.youtube.com/watch?v=b-6L3SVFLwU
Montag, 15. Oktober 2007
...jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...
Das neue Semester hat heute begonnen und wenn es so weiter geht, wird es ein schönes halbes Jahr ;-)
Die Sonne scheint, es ist schön kalt und die Luft riecht nach Herbst!
Das erste Seminar ist zu dem erst um 18.15 Uhr (leider nur diesen Montag...) und der Besuch bei der Psychotante hat mir zwar ein Rätsel aufgegeben (nämlich: Finde Dinge, die an Dir schön sind!), aber ich habe mich für die lustige Lösung entschieden, einfach ein paar Bekannte zu fragen, was die an mir wohl als schön bezeichnen würden. Was freue ich mich auf die verwirrten Gesichter und die kleinen Rauchwölkchen, die über ihren Köpfen aufsteigen werden ;-)
Hach ja...die Stadt erwacht wieder zu neuem Leben: die Studenten sind zurück! Die Zahl der Fahrradfahrer ist um mehr als das Doppelte gestiegen und die Cafes sind wieder gefüllt, Thalia macht endlich wieder richtig Umsatz, weil bekanntlich Erstsemester jedes Buch kaufen, das vom Dozenten oder gar vom Prof empfohlen wurde (ich spreche aus Erfahrung...) und die Dönerbudenbesitzer müssen sich über ihr Auskommen auch keine Gedanken mehr machen.
Selbst die Unibib ist nicht mehr so ausgestorben (und leider nicht mehr ganz so ruhig) wie in den Ferien, Herden von neugierigen und lerneifrigen "Frischlingen" werden durch die Gänge geführt, mit dem festen Vorsatz im Hinterkopf, dass sie sämtliche Angebote der Bib nutzen werden, um aus ihren Referaten und Hausarbeiten Meisterwerke zu machen. - Wer kennt das nicht...
Ich werde das neue Semester stilecht mit einem gepflegten Milchkaffee und einem ausgiebigen Gespräch über die Ferien mit einer Mitstudentin beginnen und jeglichen Gedanken an drohende Hausarbeiten, Referate und Klausuren erst mal gekonnt in die hinterste Ecke meines Hirnes verbannen.
Die Uni hat mich wieder, frei nach dem Motto: Dieses Semester wird alles besser!
In diesem Sinne,
Stina
Samstag, 13. Oktober 2007
Klage wegen Spätfolgen?
NIE WIEDER!!!
Mein rechter Arm sieht aus, als wäre ein Elefant drauf gestiegen. Eine Mischung aus blau, lila und grün, die sich zu einem Fleck von etwa zehn Zentimetern Durchmesser verbunden hat. Mal abgesehen von den Schmerzen, die bei der geringsten Berührung entstehen...
Ich muss mich wiederholen: Warum hat uns die Evolution keinen Zapfhahn geschenkt?
Arztbesuche würden sich so viel angenehmer gestalten!
Donnerstag, 11. Oktober 2007
Von blutleeren Wesen und Anmeldeglück
Wenn da nur nicht die Sache mit der Nadel wäre...aber gut, klein Stina lässt sich tapfer einen Termin geben, erscheint auch pünktlich und setzt sich ins Wartezimmer.
Als ich mich gerad wunderbar von dem mir Drohenden abgelenkt habe, steckt die Sprechstundenhilfe den Kopf zur Tür rein, grinst mich freudestrahlend an, fragt "Frau Thun?" - "Ja?" - "Wir bräuchten erst mal ein wenig Urin." - "Jetzt?" - "Ja ja, a bissla was geht immer!". Warum bin ich plötzlich so irritiert? Ist es das "wir" in ihrer Aufforderung? Wer ist "wir" und was wollen die damit? Ihre Sammlung ergänzen? - Sicher nicht...
Schon jetzt ist jeder Versuch sich gedanklich mit etwas anderem zu beschäftigen sinnlos: Die Nadel wartet und es dauert sicher nicht mehr lange bis..."Und dann gehen sie einfach ins Zimmer da drüben und legen sich auf die Liege, gell?", ich kann nur ein leises und verzweifeltes "O.k." antworten und verschwinde im Klo.
Warum kann ich mich nicht einfach runter spülen? Und was wäre, wenn ich mich hier einsperrte und einfach nicht mehr heraus käme? Aber es nützt ja nichts...
Nachdem der erste Akt gemeistert ist, folgt bekanntlich der zweite. Im klassischen Dreiakter der Höhepunkt, die Peripethie.
Ich liege also auf der Pritsche und frage mich, ob es einem zum Tode geweihten in den USA am Ende genau so geht, wie mir gerade - wobei ich wahrscheinlich noch vor der Injektion aus lauter Angst vor der Spritze krepieren, also von der Aktion selbst nichts mitbekommen würde.
Die nette Dame fängt an. Erst das Gummiband um den Oberarm und dann wird gesucht. Bei mir ein hoffnungsloses Unterfangen, wie ich aus Erfahrung weiß. Sie findet eine Ader, bzw. glaubt es zumindest, und sticht, nach einer kurzen Warnung ("So, jetzt piekst es kurz und dann brennt es ein bisschen." - Danke für den Hinweis...)in meine Armbeuge.
Tja, wie erwartet kommt kein Blut. Sie fängt an zu rühren, es tut sich nichts. Keine Chance. Sie zieht die Nadel wieder heraus, auf das übliche Pflaster kann verzichtet werden, es kommt ja eh nichts.
Mir ist mittlerweile kotzübel, mir wird heiß und kalt, prima Stimmung! Der nächste Versuch wird in einem anderen Zimmer gestartet, damit sie an den rechten Arm kommt ist eine andere Liege notwendig. Also gut, dann gehen wir mal los. In meinem Kopf tanzen die Synapsen Samba und ich sehe mal schwarz und dann verschwommen den Türrahmen, an dem ich mich festkralle. Endlich im anderen Zimmer angekommen, kann ich mich wieder hinlegen. Jetzt ist es schon so weit gekommen, dass ich die Geräusche um mich herum nur noch ganz gedämpft wahrnehme. Wird ja immer besser...
Die Suchaktion "Ader" wird von Neuem gestartet, ein zweiter Stich getätigt und erneut gerührt und gedrückt. Ergebnis: mir ist immer noch schlecht und die Kanüle bleibt trocken.
Jetzt hilft nur noch Eines: der Chef muss selber ran.
Um es kurz zu machen: er sticht sehr (!) tief und findet endlich eine Ader, die bereit ist, ihre Schleusen zu öffnen. Kommentar seinerseits: "Ein Traum wird wahr!"
Nachdem drei Röhrchen gefüllt sind und ich, auf die Einstichstelle drückend, mich langsam aufrichte und vorsichtig zur Tür gehen will, kommt die Sprechstundenhilfe noch mal und hält mich auf. "Moment, wir brauchen noch den Blutdruck!" Na, wenn´s weiter nichts ist, denke ich mir. Weit gefehlt! (Und warum schon wieder "wir"?)
"Gut. Jetzt brauchen wir dann bloß noch die Größe, das Gewicht und ein EKG."
Nutzt er die seltene Gelegenheit, dass ich mal da bin, um mich buchstäblich auf Herz und Nieren zu checken?
Die Größe ist kein Problem, die weiß ich ja. 1,78m, können Sie gleich aufschreiben. - Sie glaubt es mir aber nicht. "Sie sind doch größer..." - Guuut, dann messen wir eben. Das Ergebnis beweist, dass ich falsche Angaben für meinen Perso gemacht habe. 1,83m. Hm...dass ich so groß bin, hätte ich jetzt nicht gedacht...
Es folgt das Gewicht und damit der dritte Akt. Die Katastrophe.
Die genauen Daten lasse ich jetzt mal außen vor. Nur so viel: Die Notrufnummer der Polizei vergesse ich so leicht nicht...
Und als Abschluss des Ganzen: das EKG.
Super. Oben ohne vor einer jungen Sprechstundenhilfe, die mit einem traumhaften Körper gesegnet ist. Gibt es demütigenderes?
Jedenfalls bin ich froh, als ich wieder angezogen im Arztzimmer hocke und auf den Chef warte. Es folgt das obligatorische Abhören und nach einem kräftigen Händedruck und dem Hinweis, dass ich die Ergebnisse am nächsten Tag abholen kann, verlasse ich mit zwei schmerzenden Armen die Praxis.
Resultat heute, einen Tag danach:
Meine Werte sind in Ordnung.
Nur meine Armbeugen sehen aus, als wäre ich eine Drogensüchtige, die das Stechen noch üben muss. Abgesehen von den Schmerzen.
Nun gut, es ist geschafft und ich lebe noch.
Bis zum nächsten Mal ;-)
Ein weiteres Erlebnis, das mir erst mal einen Schreck eingejagt hat, war eine e-Mail von der Uni, dass die Anmeldung zu einem Kurs schon längst abgelaufen und der Kurs bereits voll ist.
Toll, was jetzt?
Beim checken der anderen Kurse fällt mir auf, dass die bereits alle belegt sind. Bis auf einen. Digitale Literatur. - Interessiert mich das? -Nein.
Letzte Chance: die Dozentin persönlich anschreiben und die ganze Story erklären. Denn ein früherer Eintrag im Univis informierte einen darüber, dass die Anmeldung im Kurs erfolgt und nicht online.
Und ich habe mordsmäßiges Glück!
"Ja, er ist bereits voll, aber sie können sich ausnahmsweise noch in der ersten Stunde anmelden. Mit freundlichen Grüße,..." - DANKE!
Mein sorgfältig erarbeiteter Stundenplan bleibt mir erhalten und ich komme in alle Kurse, die ich wollte.
Das Semester kann beginnen, ich bin bereit!
Montag, 8. Oktober 2007
Traummann?
Ich weiß, dass er nur so tun wird, als würde er mit mir flirten und als hätte er es auf mich abgesehen (im Positiven!), aber ich gehe trotzdem hin.
Wir treffen uns vor dem Theater und gehen zusammen rein. Ich sitze neben ihm und als das Stück beginnt, legt er seinen Arm um mich und ich lehne mich an seine Schulter.
Die Kameras um uns herum bemerke ich zwar, aber sie stören mich nicht. Ich spiele das Spiel mit und tue so, als wäre ich total verliebt in ihn.
In der Pause wird mir klar: Ich bin wirklich in ihn verliebt!
Nach der Pause ist er allerdings wie ausgewechselt und macht einen auf total cool und lässig, auf unnahbar. Ich habe keine Chance mehr, an ihn heran zu kommen, lasse mir aber nichts anmerken.
Nach dem Stück verschwindet er relativ schnell mit den Fernsehleuten und ich stehe alleine da.
Schlussbild: Ich sitze in meinem Zimmer und trauere ihm nach.
Was soll mir dieser Traum bitte sagen?
Außer einem flauen Gefühl in der Magengegend merke ich nichts von einer versteckten Botschaft.
Und Roger Willemsen, ok, er ist wirklich sehr sympatisch, hat eine angenehme Stimme, Humor und Grips, sieht auch nicht soo schlecht aus, aber: Ist er wirklich mein Traumtyp?! - Er zählt schließlich zu den Männern, bei denen ich das Gefühl habe, ihnen geistig haushoch unterlegen zu sein.
Das war wieder so ein Traum, der einen tagelang verfolgt, weil man immer wieder drüber nachdenkt, warum man sowas träumt.
Wie dem auch sei, ich habe Gestern überstanden und jetzt kann es weitergehen.
Nächste Woche geht die Uni wieder los und ich hoffe, ich kann meinen Vorsatz diesmal mitzulernen (und nicht wieder alles auf ein Mal am Ende) in die Tat umsetzen. Frei nach dem Motto: Diesmal wird alles besser!
Im Moment habe ich noch den Eindruck, dass das einer dieser Vorsätze ist, der jedes Jahr/Semester aufs Neue gemacht wird und dessen Haltbarkeitsdatum nach maximal zwei Wochen verfällt, ähnlich wie bei allen guten Dingen, die man sich vornimmt.
Aber einen Versuch ist es wert.
Warum Roger Willemsen? Ich peil das nich.
Mir wurde mal gesagt, dass man oft von Eigenschaften träumt und nicht direkt von der Person, die sie besitzt. Soll das heißen ich wünsche mir insgeheim intelligent, scharfsinnig, eloquent und humorvoll, gar gebildet zu sein? - Bin ich das nicht schon???
(Für alle, die die Ironie im letzten Satz nicht mitbekommen haben, sei hier noch mal mit einem ganzen Zaun darauf hingewiesen.)
Nun ja, mal sehen was die letzte Woche Freiheit so bringen mag. Danach folgt wieder die Diktatur der Fachliteratur, Professoren und Dozenten. Vielleicht schaffe ich es in dieser Runde auch mal zurück zu schlagen und mir für andere Dinge Zeit zu nehmen. Charlie hängt schließlich schon leicht angestaubt an der Wand und schweigt mich strafend an. (Charlie =Gitarre)
Am Mittwoch droht noch mal ein Loch: Blutentnahme und Geburtstag der gestern so verarschten Tante.
Ich frag mich grade, was schlimmer ist... ;-)
Vielleicht bin ich im neuen Semester auch mal wieder zu geistreicheren Einträgen fähig. Wollen es hoffen!
So long
Sonntag, 7. Oktober 2007
same procedure as every year...
Die Wünsche des Geburtstagskindes?
Aufbauende Worte für das nächste Lebensjahr?
Nein, weit gefehlt.
Die wirklich wichtigen Fragen, die an einem solchen Tag geklärt werden müssen sind:
Wer ist in letzter Zeit gestorben?
Welche Bedienung an der Fleischtheke ist am freundlichsten?
Was haben sich Bekannte oder Freunde vor kurzem so geleistet, worüber man herrlich lästern könnte?
Welcher Metzger ist der Beste?
Nebenbei fallen dann noch Bemerkungen wie "Na ja, lang werd ich auch nicht mehr leben." oder "Wenn ich meinen nächsten Geburtstag noch erleben sollte, dann...". Dann wird darüber gemeckert, dass die Lose auf der Kirchweih schlecht gemischt waren, dass das Bier zu teuer und die Fischbrötchen schlecht belegt sind und die anwesende Tante wird mit Sätzen wie "Fress net so viel!" oder "Schau ner noo, die soll sich fei a weng bewegn, dass sie nett nuch fetter wird!" oder sonstigen abfälligen Nettigkeiten bedacht. (Hier sei angemerkt, dass die verspottete Tante geistig behindert ist und solche Bemerkungen eine sehr verletzende Wirkung haben, ähnlich wie bei einem dreijährigen Kind, auf dessen geistigem Niveau sie sich befindet)
Und ansonsten tun alle so, als fänden sie den anderen nett und würden sich freuen, hier zu sein. Schmierentheater³.
Ja, ein gesundes Familienleben ist schon etwas Schönes.
Und man sitzt dabei und schweigt.
Seit 21 Jahren.
Eines ist klar: Der nächste Geburtstag findet ohne mich statt. Auch körperlich. Denn es würde kaum auffallen, wäre ich nicht hier.
Ein Tag wie jeder andere.
Einziger Unterschied: Es gibt Kaffee und Kuchen und ein gemeinsames Abendessen.
Einziger Lichtblick: ein paar nette SMS´s, zwei Anrufe, eine afrikanische Maske von meinem Bruder und einige Einträge im Studivz.
Wenn ich mich in Gedanken daran klammere, ist es sogar ein schöner Tag.
Nun gut, das Abendessen wartet und ich werd mich wieder zu den lieben Verwandten (ganze zwei Personen) gesellen.
Maske auf und Spot an für die "Stina feels great - Show"!
Noch wenige Stunden, dann ist es überstanden. Keep smiling ;-)
Samstag, 6. Oktober 2007
Sowas is widerlich.
In Gaustadt findet ja derzeit die alljährliche "Kerwa", also Kirchweih, statt. Das hat mit der Sache an sich eigentlich nichts zu tun und ich hätte diese Frau auch sonst wo treffen können, aber sie begegnete mir, vielmehr meiner Mutter, eben dort. Heute.
Die beiden Frauen unterhielten sich über eine dritte Person. Deren Familie hat mit der Familie der mir bis dahin unbekannten Frau seit Jahren eine Art Fehde. Diese Frau ist sozusagen mit der Abneigung der dritten Person gegenüber aufgewachsen.
Diese dritte Person hat eine Krankheit die man durchaus als Schizophrenie bezeichnen könnte, eher noch eine Persönlichkeitsstörung. Sie hat ziemlich harte Schicksalsschläge hinnehmen müssen, hat diese aber immer geschluckt und nie den Mund auf gemacht. Vor ein paar Jahren war das Fass eben voll und aus einer temporär niedergeschlagenen Stimmung heraus brach eben alles über ihr zusammen und der Vulkan in ihr brach aus. Sie wurde laut, war leider auch in Bierlaune und es schaukelte sich hoch, bis es soweit war, dass sie mit der weißen Jacke abgeholt werden musste. Es dauerte eine Weile, dann ging es ihr wieder besser und dieser Zustand hielt einige Jahre an. Vor etwa acht oder neun Monaten kam es wieder zu einem Ausbruch, allerdings weniger stark und mit weitaus geringerem Aufsehen als zuvor. Sie kam wieder in die Klinik und im Moment ist sie wieder stabil und versucht (erfreulicherweise relativ erfolgreich) Fuß zu fassen. Eigentlich eine traurige Geschichte, wenn man die Hintergründe kennt, die zum Ausbruch dieser Krankheit (denn nichts anderes als das ist es) geführt haben, kennt.
Aber eben nur eigentlich.
Denn die oben genannte Frau sieht nicht ein, dass es "nur" eine Krankheit ist. Sie versucht erst gar nicht zu verstehen, dass es keine Bosheit ist, die zu solchen Ausschreitungen führt, dass es im Grunde nicht gegen sie persönlich ist, sondern in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss.
Sie aber hat die dritte Person abgestempelt. Der schlimmere der beiden Vorfälle hat für sie nur das bestätigt, was sie von ihrer Familie über die dritte Person und deren Angehörige vermittelt bekommen hat. Sie ist schlicht und einfach verrückt, hat "einen an der Waffel" und was vor ein paar Jahren war, das wird ihr noch heute vorgehalten.
Sie bekommt gar keine Chance zu beweisen, dass es im Laufe der Zeit einige Veränderungen (durchaus zum Positiven) gegeben hat. Ihr wird nicht mal die Möglichkeit eingeräumt zu zeigen, dass sie den Willen hat, an ihrer Lage etwas zu ändern. Sie wurde ein Mal in eine Schublade gesteckt und aus der wird sie nie wieder raus kommen. Sie wird für immer die "Bekloppte" bleiben, die "Säuferin mit dem Sprung in der Schüssel". Das perfekte Objekt um dem Drang des Gaffens nachzugeben, wie ein körperlich missgebildeter Mensch oder ein wildes Tier, das im Käfig sitzt und begierig von allen Seiten angestarrt wird, während es zu Grunde geht, weil niemand den Mut hat, auf es zu zu gehen und zu integrieren. Es herrscht einfach pure Sensationsgeilheit vor. Wann tickt sie das nächste Mal aus? Wann kann ich das nächste Mal zusehen, wie verzweifelt jemand versucht nach Hilfe zu rufen, weil er nicht mehr weiter weiß?
Und wenn man schon dazu nicht bereit ist zu helfen (weil man vielleicht tatsächlich nicht dazu in der Lage ist), dann sollte man wenigstens den Anstand haben, nicht hinterrücks alte Geschichten wieder aufzuwärmen, die längst vergangen sind, denn mit der Verbreitung solcher Dinge wird der Weg zur Normalität auch wieder verbaut, denn wenn Frau X das sagt, wird es schon stimmen und "wir haben´s ja schon immer gewusst" und flugs verbreitet sich das alles wie bei Stille Post weiter und im Nu ist man isoliert.
Heute dachte ich mir, dass ich bitte niemals so sein möchte. Ich möchte nicht voll von Vorurteilen durch die Welt gehen und mir damit die Gelegenheit verbauen, eventuell einen ganz besonderen Menschen kennen zu lernen. Ich möchte nicht jemandem das Leben noch schwerer machen, als es für ihn sowieso schon ist, aus welchen Gründen auch immer.
Und sollte mich jemand dabei ertappen, dass ich Anzeichen eines solchen Verhaltens an den Tag lege: Haltet mich auf!
Donnerstag, 4. Oktober 2007
Ne, watt is datt schön!
Eine neue Humorquelle, die tag und nacht den Zugriff erlaubt.
Besonders neu ist es ja nicht, aber für mich sehr wohl.
You tube.
Was man da alles findet, ist wirklich zum wegwerfen (das kann man jetzt verstehen, wie man will).
Was mich jedoch besonders freut, ist die Tatsache, dass man auch Kabarett-Aufzeichnungen kucken kann.
Dr. von Hirschhausen ist mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen.
Oder ganz aktuell: die Missfits. - Ja, ich weiß, die gibt es eigentlich gar nicht mehr, die haben sich aufgelöst und machen jetzt jede ihr eigenes Ding. Aber auf you tube habe ich eine Szene gefunden, die mich wieder ein bisschen mit dem Lehrerberuf versöhnt hat.
Ich pack hier einfach mal den Link rein.
Anklicken und genießen. Man erkennt da doch die ein oder andere Ähnlichkeit wieder...
Viel Spaß!
http://www.youtube.com/watch?v=5VZBeALYxs8
Montag, 1. Oktober 2007
Hä? und Boa nee ey!
Wenn ich eine Idee zu einem Text habe, reicht es grad mal für eine, maximal zwei Seiten. Mehr nicht. Dann gehen mir die Worte aus. Das, was ich erzählen wollte, habe ich gesagt und fertig. Aber leider sieht die Geschichte in meinem Kopf ganz anders aus, als auf dem Papier. Viel plastischer. Ich kann manche Situationen genau nachfühlen, weiß genau, wie die Luft riecht, wie warm sich die Sonne anfühlt und wie stark der Wind bläst. Wenn ich dann meinen Text lese, ist davon nichts mehr da. So lang ist doch der Weg von meinem Hirn zu meiner Hand gar nicht, dass das alles da verloren gehen kann! Wo bleiben die Gerüche, Geräusche, Lichtstimmungen und Gefühle, wenn sie nicht auf dem Papier landen?
Und sollte es dann doch mal so weit kommen, dass ich etwas schreibe, bei dem man nachfühlen kann (na gut, könnte...), was ich meine, muss es mir vorher erst richtig schlecht gehen, damit es funktioniert. Schreiben kann ich nur, wenn ich mies drauf bin.
Wie machen das Schriftsteller?
Sind die ein halbes Jahr lang stinkstiefelig, nur damit ein gutes Buch bei rum kommt?
Kann doch nicht sein...
Außerdem müsste ich dann schon mehrere Pulitzerpreise und mindestens einen Literaturnobelpreis im Regal stehen haben, wenn sich die Qualität eines Romanes mit der düsteren Stimmung des Autors oder der Autorin steigert...
Apropos:
Es gibt ja verschiedene Arten von Autofahrern. Manche Leute sagen, dass es am Fabrikat, andere wiederum behaupten am Nummernschild erkennbar sei, wie man den Vorder- oder Hintermann und dessen Fahrstil einzuordnen habe.
Ich versuche weitestgehend frei von Vorurteilen zu sein. Auch bei diesem Thema, aber heute war bei mir echt die Grenze erreicht.
Autobahn.
Die rechte Spur voll mit LKWs. Daher fahre ich auf der Linken. Hinter mir ein Zeitgenosse der ungeduldigen Art.
Nicht genug, dass er so nah auffährt, dass er mit Sicherheit ablesen kann, was mein Tacho anzeigt, nein, der gute Mann muss natürlich noch den Beweis liefern, dass auch sein Automobil mit Scheinwerfern ausgestattet ist. Die allseits bekannte Lichthupe kommt zum Einsatz.
Ich lass mir das ein Mal gefallen, auch ein zweites und drittes Mal. Aber als er zum vierten Mal beinahe in meinen Kofferraum fährt und ich kurz davor bin, voll in die Eisen zu steigen und ihm die Meinung zu geigen, was ich natürlich unterlasse, weil: Autobahn; da ist das Maß dann voll und ich tue etwas, was ich noch nie in meinem Leben während des Autofahrens getan habe.
Ich zeige ihm den Effenberg! - Wie bei allen, die das tun, stellt sich bei mir ein wohliges Gefühl der Überlegenheit ein. Ich hab es ihm so richtig gezeigt. Jawohl! Ha haa, wäre ja noch schöner, wenn man sich alles gefallen ließe! Wo sind wir denn?
Aber um zum eigentlichen Thema zurück zu kehren: Bereits beim Blick in den Rückspiegel konnte ich erkennen, dass mein Hintermann einen Wagen eines Bayerischen Herstellers fuhr. Schön und gut, dachte ich mir, kann ja ne Ausnahme sein, dass gerade dieser BMW-Fahrer ein Arschloch ist.
Als er mich dann schließlich doch noch überholte, konnte ich sein Nummernschild erkennen.HAS. Es war so klar. Drei Buchstaben: Hirsch-Am-Steuer. Oder auch Hirn-Am-Suchen.
Das konnte dann doch kein Zufall mehr sein...
Als ich auf dem Weg zum Parkplatz war (noch vor obiger Geschichte), schien die Sonne wunderbar vom Himmel herab und es ging ein leichter Wind. Es duftete nach frischem, feuchtem Herbstlaub, nach Sonne, nach Gras.
Und komischerweise war das der gleiche Geruch, wie anfang März. Genau so. Sofort viel mit ein Tag wieder ein, an dem ich den gleichen Duft in der Nase hatte, wie heute. Ich wusste jede Kleinigkeit wieder, die an diesem Tag passiert ist. Mit wem ich zusammen war. Wo. Was ich den Tag über gemacht hatte. Sogar einzelne Gesprächsteile fielen mir wieder ein.
Ein komisches Gefühl. Aber ein Schönes. Man bekommt fast den Eindruck, dass das Jahr symmetrisch verläuft. Jeden Tag erlebt man zwei Mal. Aber jedes Mal macht man etwas anderes daraus. Nur die Gegebenheiten bleiben die gleichen. Die Luft, die Sonne, die Gerüche...
Und noch etwas ist mir heute aufgefallen.
Es kann mir noch so schlecht gehen, sobald ich einen Buchladen betrete, fühle ich mich sicher und gut aufgehoben. Als wären lauter gute Bekannte um einen herum und es könne einem dadurch nichts passieren. Wenn man dann ein Buch aufschlägt, lädt einen dieser Bekannte zu einem interessanten, lustigen, dramatischen, traurigen, wie auch immer gearteten Dialog ein.
Eine schöne Vorstellung, finde ich.
Sonntag, 30. September 2007
...wie Öl...
"Du tust mir gut!"
Reaktion meinerseits:
ein langes und breites Grinsen. ;-)